KI-generierte Straßenumfragen mit fremdenfeindlichen Untertönen erreichen Millionen Menschen auf TikTok. Warum das gefährlich ist und was dahintersteckt. Eine blonde Frau spricht in einer Fußgängerzone in das Mikrofon eines Mannes: “Meine Tochter ist acht. Sie bekommt jeden Tag Schweinefleisch – damit sie mit 14 nicht heiraten muss.” Dann erzählt eine ältere Dame, dass sie nur noch mit Kopftuch zum Bäcker geht, weil sie sonst ständig nach ihrem Ausweis gefragt würde. Zum Abschluss erklärt ein Polizist auf die Frage, ob er sich in Deutschland sicher fühle mit den Worten: “Ich versuche in der Öffentlichkeit kein Deutsch zu sprechen.” Diese Szenen wirken wie Momentaufnahmen aus deutschen Städten – spontane Straßeninterviews. Ein bewährtes Stilmittel im Journalismus, um ein Stimmungsbild einzufangen: Was denken die Leute? Wie empfinden sie Sicherheit, Migration, Politik? Der Reporter hält das Mikrofon hin, hört zu, lässt die Straße sprechen. Doch nichts daran ist echt: Die Gesprächspartner gibt es nicht. Ihre Aussagen stammen nicht aus Interviews, sondern aus Textprompts. Gesichter, Stimmen und Gesten wurden alle per KI generiert. In den letzten Wochen ergießt sich eine regelrechte Flut solcher Videos in die Sozialen Netzwerke wie TikTok, Instagram und Youtube – häufig mit fremdenfeindlichen Narrativen. (…) Diese Umfrage-Videos sind keine Einzelfälle – aber auch nur ein kleiner Teil der Flut an KI-generierten Clips, mit denen Plattformen wie TikTok, Instagram oder Youtube überschwemmt werden. Vieles davon soll lustig sein oder unterhalten: Katzenvideos, Jesus im Körper eines Hummers, alte Menschen, die plötzlich einen Salto machen. Doch es gibt auch jede Menge menschenverachtende, fremdenfeindliche und eklige Inhalte. Schwarze Menschen werden als Affen dargestellt, Polizeigewalt wird gefeiert, es gibt Gags über den Ku-Klux-Klan. In einem Video berichtet ein angeblicher KZ-Häftling in seinem Videoblog aus einem Konzentrationslager – und macht dabei Witze über ermordete Frauen und Kinder. Der Holocaust als Satire-Sketch – mit mehr als einer Million Aufrufe auf TikTok.
via zdfheute: Video-Flut bei TikTok : KI-Fake-Umfragen schüren Ressentiments