Der US-Präsident wirft die Ukraine vor laufenden Kameras Russland zum Fraß vor. Ihn interessiert nicht, was er damit anrichtet. Spätestens seit diesem Freitag befinden sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und sein Land in einem Zwei-Fronten-Krieg. Im Osten rückt der russische Aggressor mit seinem Militär vor. Und im Westen entwickelt sich der bisher wichtigste Verbündete der Ukraine, die USA, vom Verbündeten zum politischen Gegner. (…) Vor laufenden Kameras brüllten sich US-Präsident Donald Trump und sein Gast aus der Ukraine im Oval Office des Weißen Hauses minutenlang an. Trump verlor vollkommen die Contenance, vermutlich sogar mit voller Absicht. Er warf dem Ukrainer vor, Millionen von Menschenleben aufs Spiel zu setzen und einen Dritten Weltkrieg zu riskieren – so als hätte Selenskyj und nicht Russlands Gewaltherrscher Wladimir Putin den Vernichtungsfeldzug gegen die Ukraine begonnen. Es ist Täter-Opfer-Umkehr in Reinform, und zwar aus dem Munde des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Donald Trump scheint nicht zu verstehen, was in der Ukraine geschieht und was in Europa insgesamt auf dem Spiel steht. Er hat es auf die ukrainischen Rohstoffe abgesehen, alles andere ist ihm egal. Der US-Präsident hat nicht einmal das Format, grundlegende Umgangsformen im Umgang mit anderen Staatslenkern zu wahren. Aber das war auch schon vor diesem Freitag bekannt.
via morgenpost: AMERIKAS NEUE AUSSENPOLITIK Brüll-Duell im Oval Office: Trumps inszenierter Eklat
siehe auch: Eklat im Weißen Haus Trump und Selenskyj brechen Treffen ab. Nach einem beispiellosen Streit vor laufenden Kameras haben US-Präsident Trump und sein ukrainischer Kollege Selenskyj ihr Treffen in Washington abgebrochen. Zuvor hatte Trump Selenskyj mit Vorwürfen überzogen. Dieser riskiere einen Dritten Weltkrieg. Erst Eklat, dann Abreise: Vor laufenden Kameras haben US-Präsident Donald Trump und sein Vize JD Vance den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zurechtgewiesen. Danach wurde das Treffen abgebrochen – eigentlich hätten Trump und Selenskyj eine Rohstoffpartnerschaft unterzeichnen sollen. Auch eine geplante Pressekonferenz wurde abgesagt. Selenskyj verließ daraufhin das Weiße Haus; Trump trifft Selenskyj: Grobe Vorwürfe und ein Rücktrittsangebot – Was ist dran? Donald Trump trifft Wolodymyr Selenskyj: Am Freitag ist Washington Schauplatz eines möglicherweise richtungsweisenden Momentes im Ukraine-Krieg. Selenskyj will dabei US-Hilfe sichern und „ukrainische Positionen schützen“. Und zugleich prallen Welten aufeinander. Hier der machtversessene US-Präsident. Dort der ukrainische Staatschef, der gerade erst seinen Rücktritt angeboten hat – wenn sein Land im Gegenzug in die Nato kommt. Trump hat die westliche Welt zuletzt mit einer offenbar stark von russischem Propaganda-Feuer inspirierten Behauptung irritiert: Selenskyj habe in der Heimat nur noch vier Prozent Zuspruch – und sei ein „Diktator“. Der Ukraine-Experte Eduard Klein von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen verweist diese Darstellung im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau ins Reich der Fabeln. Selenskyjs Angebot hält er indes für durchaus glaubwürdig, wenn auch wenig erfolgversprechend. Trump verbreitet russische Propaganda: Experte erklärt Selenskyjs Zustimmungswerte im Ukraine-Krieg Die Vorwürfe Trumps seien unbegründet, haben Klein und sein Kollege Heiko Pleines gerade erst in der Zeitschrift Ukraine-Analysen dargelegt. Eine Umfrage des Kyiv International Institute of Sociology habe Selenskyj Anfang Februar das Vertrauen von 57 Prozent der Ukrainerinnen und Ukrainer attestiert. Aber ist den Umfragen im kriegsgebeutelten Land zu trauen?
