Er wollte nur ein neues KI-Tool testen. Ein Hacker hat danach monatelang Zugriff auf seinen Privatrechner gehabt – und die Slack-Umgebung von Disney. Der US-amerikanische Medienkonzern Disney ist im Juli 2024 bekanntlich Opfer eines Cyberangriffs geworden, durch den zahlreiche Daten aus der internen Slack-Umgebung des Unternehmens an die Öffentlichkeit gelangt waren. Das Wall Street Journal hat nun einen Bericht veröffentlicht, der neue Erkenntnisse zum Tathergang liefert. Im Fokus steht dabei ein ehemaliger Disney-Mitarbeiter, der lediglich ein KI-Tool testen wollte. Begonnen hat demnach alles auf einem Privatrechner des 42-jährigen Familienvaters Matthew Van Andel. Im Februar 2024 lud er bei Github zu Testzwecken ein KI-Tool herunter. Es sollte ihm auf Basis von Texteingaben Bilder generieren. Tatsächlich war in dem Tool aber eine Schadsoftware enthalten, die zunächst unbemerkt blieb. Am 11. Juli erhielt der damalige Disney-Mitarbeiter auf Discord eine Nachricht von einer unbekannten Person. Zunächst hielt er diese für einen Betrugsversuch und wollte sie löschen. Bei genauerem Hinsehen stellte er aber fest, dass in der Nachricht Details aus einer unternehmensinternen Slack-Konversation enthalten waren, die außerhalb von Disney eigentlich niemand wissen konnte. Passworttresor kompromittiert Der 42-Jährige rief daraufhin das sogenannte “Fire Team” von Disney an, das sich innerhalb des Unternehmens um die Abwehr von Cyberbedrohungen kümmert. Dieses bestätigte Van Andel, dass sein Slack-Konto kompromittiert worden war. Auf seinen Arbeitsgeräten konnte jedoch kein verdächtiges Verhalten festgestellt werden. Das Cyber-Team empfahl ihm daher, seine privaten Geräte zu untersuchen. Infolgedessen installierte Van Andel ein zweites Antivirenprogramm, das auch unmittelbar anschlug und die Malware auf seinem Rechner enttarnte. Der unter dem Namen Nullbulge bekannte Angreifer, der sich selbst als Teil einer russischen Hacktivistengruppe ausgab, erhielt dadurch Zugriff auf allerhand lokal gespeicherte Daten sowie auf Van Andels 1Password-Account – und damit auch auf alle anderen Zugangsdaten, die er dort gespeichert hatte. Somit konnte der Angreifer unter anderem auf das persönliche E-Mail-Konto des 42-Jährigen sowie den Slack-Kanal von Disney zugreifen und Van Andel damit unter Druck setzen. Der damalige Disney-Mitarbeiter versuchte so schnell wie möglich sämtliche Passwörter zurückzusetzen, doch in vielen Fällen war er nicht schnell genug, denn es ging um Hunderte von Zugangsdaten.
via golem: DER GROSSE DISNEY-HACK: Wie ein KI-Tool das Leben eines Mitarbeiters ruiniert hat
