Die Bedingungen für die Rückkehrer aus Westdeutschland klangen gut: eine neue, gut bezahlte Arbeit, schöne Altbauwohnung, Kita-Plätze, die Schwiegereltern wieder in der Nähe für die drei Enkel. Und trotzdem zog ein Ingenieurs-Ehepaar wieder zurück nach Bayern. Als Kündigungsgrund nannte der pakistanischstämmige Familienvater rassistische Angriffe, denen sich die Familie nicht mehr aussetzen wollte. Die schönste Arbeitsstelle nützt nichts, wenn rassistische Anfeindungen und Angriffe die Familie belasten. Personalverantwortlicher ist entsetzt über Kündigungsgrund. Abgewanderte Fachkraft fragt sich, ob der Osten auf dem richtigen Weg ist. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratscher, hat mehrfach vor einem Erfolg der AfD und Rechtsextremer gewarnt. Das sei “höchst schädlich für die Wirtschaft”. In einem Zeitungsinterview beschrieb der DIW-Präsident einen “Teufelskreis”: Dort, wo es besonders viel Zustimmung für die Rechtsaußen-Partei gebe, würden Fachkräfte und Unternehmen häufig abwandern. “Im Umkehrschluss steigt die Frustration derjenigen, die zurückbleiben.” Von einer solchen Entwicklung profitiere wiederum die AfD. Rückkehrer aus dem Westen ziehen Reißleine Ein Beispiel aus Dresden zeigt, was der DIW-Präsident meint: Die Rückkehr aus Westdeutschland ins Elbtal 2022 sollte für ein Ingenieurs-Ehepaar* für immer sein. Die Frau in einer Kleinstadt bei Dresden aufgewachsen, die drei Kinder freuten sich auf Oma und Opa in der Nähe, der Vater, ein Ingenieur, im Osten studiert, mit zehn Jahren Berufserfahrung im Westen, wurde mit offenen Armen beim neuen Arbeitgeber empfangen, eine Wohnung in Dresden-Striesen sollte ihr neues Zuhause sein. Doch nach 1,5 Jahren zog die Familie die Reißleine: “Es ging nicht mehr. Wegen der Arbeit oder des Gehalts sind wir nicht gegangen. Was wir im Alltag erlebt haben, wollten wir nicht mehr aushalten”, sagt der Vater, der in Pakistan geboren wurde. Während der Enddreißiger “in einem tollen Team” auf Arbeit war, habe seine Frau, ebenfalls studierte Ingenieurin in Elternzeit, mit den Kindern auf dem Weg zum Kindergarten Pöbeleien und Aggressivität erlebt. “Im Penny oder auf der Straße wurden die Kinder ständig von älteren Leuten gemaßregelt, als würden wir dauernd klauen oder etwas zerstören. Im Bus brüllte einmal ein Mann ‘Ausländer raus!’. Einer schrie sie an, ‘ich bin Nazi, was willst du machen.'” Kein Passagier habe etwas gesagt oder geholfen. Fortan hätten sie den Nahverkehr gemieden. Hass ist nie eine Lösung und nie konstruktiv. Leute, die pöbeln, geben mir ihre negative Energie. Was soll das? Familienvater mit pakistanischer Herkunft “Meine Frau wurde auch in einer Waschanlage beleidigt und angepöbelt”, blickt der Ingenieur zurück. Ein Nachbar in Striesen habe immer wieder rassistische Beleidigungen aus dem Fenster gerufen und sich dann versteckt. “Als meine Frau ihn direkt darauf ansprach, stritt er alles ab und wurde laut.” Auch Freundinnen hätten die Rufe und abwertenden Blicke mitbekommen, wenn sie mit den Kindern unterwegs gewesen seien.

via mdr: KÜNDIGUNGSGRUND ALLTAGSRASSISMUS Ingenieur nach Wegzug aus Dresden: “Die Kinder hatten so viel Angst: Ist es das wert?”