Moskau hat laut der ukrainischen Spionageabwehr Zugriff auf sämtliche Inhalte, selbst wenn es diese eigentlich nicht mehr geben sollte. Die umstrittene Messaging-App Telegram wird in der Ukraine nun von sämtlichen Diensthandys verbannt. Der Grund ist einmal mehr der bislang nur vermutete russische Zugriff auf die Daten und Nachrichten der Nutzerinnen und Nutzer. Der ukrainische Militärnachrichtendienst HUR will nun Beweise dafür gefunden haben, dass Moskau auf sämtliche Inhalte der Messaging-App zugreifen kann. Betroffen von der Maßnahme sind nicht nur Beamte und Militärangehörige, sondern auch Mitarbeiter von Rüstungsunternehmen. Ebenfalls verbannt wird Telegram von den Handys der Angestellten im Bereich der kritischen Infrastruktur. Raketenangriffe durch Standortbestimmung Der Chef des ukrainischen Militärnachrichtendiensts, Kyrylo Budanow, habe stichhaltige Beweise dafür vorgelegt, dass russische Dienste Zugang zur persönlichen Korrespondenz von Telegram-Nutzern, sogar zu gelöschten Nachrichten, sowie zu deren persönlichen Daten haben, heißt es in dem Bericht. Aber nicht nur das: Russland setze den Messaging-Dienst auch als Waffe ein. Vertreter der Sicherheitsdienste und des Generalstabs wiesen darauf hin, dass Telegram von Russland aktiv für Cyberangriffe, Phishing-Versuche und die Verbreitung von Malware genutzt wird. Außerdem könne Russland via Telegram den Standort von Nutzenden ermitteln und diese Daten für die Zielauswahl bei Raketenangriffen nutzen. (…) Telegram mit Sitz in Dubai wurde von dem Russen Pawel Durow gegründet. Dieser verließ sein Heimatland im Jahr 2014, nachdem er sich geweigert hatte, auf Anordnung des Kreml oppositionelle Gruppen auf seiner Plattform Vkontakte zu schließen. Mittlerweile dürfte sich das Verhältnis des Telegram-Gründers mit dem Kreml aber wieder deutlich verbessert haben. Durow wurde im August bei seiner Landung in Frankreich im Rahmen von Ermittlungen zu Straftaten im Zusammenhang mit Kinderpornografie, Drogenhandel und Betrug auf Telegram festgenommen. (…) Für die russische Armee ist Telegram ein enorm wichtiges Werkzeug im Angriffskrieg gegen die Ukraine. Weil die eigenen militärischen Kommunikationskanäle nicht ausreichend gut funktionieren, kommunizieren weite Teile der russischen Streitkräfte mithilfe der Messaging-App. Nach der Verhaftung Durows gab es in Moskau die Befürchtung, der Westen könnte an militärische Geheimnisse Russlands kommen, denn auch diese werden offenbar via Telegram-Nachricht verschickt.
via standard: Russland soll sogar gelöschte Nachrichten auf Telegram mitlesen können
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By Yuri Samoilov – Telegram app icon on smartphone screen (perspective render), CC BY 2.0, Link