Klickarbeiter sind die Trainer der Künstlichen Intelligenz. Sie sitzen in Kenia oder Kolumbien und bringen Maschinen das Wissen über die Welt bei. Doch die Arbeit ist prekär. Beschäftigte berichten von Ausbeutung, Perspektivlosigkeit und digitaler Überwachung. Es ist schon viel darüber diskutiert worden, ob Künstliche Intelligenz wirklich intelligent ist. Dabei lohnt es sich zu fragen, ob KI tatsächlich so künstlich ist – denn die Technologie beruht wesentlich auf repetitiver Arbeit von Menschen, auf Handarbeit.   Kaum jemand weiß das besser als Fred (alle Namen geändert). Der 27-Jährige ist Klickarbeiter. Er wohnt in Kasarani, einem belebten Stadtteil von Nairobi in Kenia. Dort sitzt er in einer Kammer vor seinem alten, schnaufenden Laptop. Auf seinem Bildschirm sind Bilder aus der Vogelperspektive zu sehen. Hunderte davon. Fred zieht mit der Maus Linien um eine Rasenfläche, um einen runden Swimmingpool und dann um ein graues Blechdach. Dann trägt er ein, was zu sehen ist: “Dach”, und so weiter. Informationen für KI-Drohnen Die Bilder sind Drohnenaufnahmen von einem Logistikunternehmen aus den USA. Es liefert Pakete per Drohne aus, für Handelsgiganten wie Walmart. Dafür muss die KI-gesteuerte Drohne lernen, wo sie die Pakete ablegen kann: eben nicht in einem Swimmingpool oder auf einem Dach, sondern auf einer Rasenfläche.”Wir trainieren die Drohne. Bringen ihr bei: Das ist ein Mensch, das ist der Boden, das sind Gewässer”, erklärt Fred. Mit einer Software markiert und beschreibt Fred die Inhalte von Bildern – annotiert sie, so der Fachbegriff. Fred ist Teil einer weltweiten Industrie, die sogenannte Trainingsdaten für die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz bearbeitet. SWR2 Wissen hat über mehrere Monate mit einem Dutzend dieser Klickarbeiterinnen und -arbeiter gesprochen. Im Podcast kritisieren die allermeisten ihre Arbeitsbedingungen sehr deutlich – sprechen mitunter von Ausbeutung. Dabei macht ihre Tätigkeit KI erst wirklich intelligent. (…) Auch für das KI-Training anhand von Texten werden Menschen benötigt. Klickarbeiter in Kenia haben für den Bot ChatGPT unerwünschte Antworten ausgefiltert, also etwa Inhalte mit Gewalt. Das Ziel: Der intelligente Chatbot soll aus seinen Fehlern und Grenzüberschreitungen lernen. Die Klickarbeiter des KI-Dienstleisters Sama, die das möglich machten, bekamen knapp zwei Dollar die Stunde, wie Recherchen des Time Magazine Anfang des Jahres publik machten.  Andere Klickarbeiter werden wiederum noch schlechter bezahlt, zum Beispiel Fred. Wie mehr als 7000 weitere Klickarbeiter arbeitet er für das Outsourcing-Unternehmen Cloudfactory. Zu dessen Kunden zählen Firmen, die millionen- und milliardenschwer sind. Arbeiter wie Fred bekommen jedoch umgerechnet 1,20 Euro in der Stunde gezahlt. Das reiche am Ende des Monats kaum aus, sagt Fred.  “Es hat etwas von Sklavenarbeit. Denn die Menschen hier haben keine andere Wahl. Es gibt kaum Jobs”, erzählt John, ein Kollege von Fred. Beide haben studiert, aber wegen der schwierigen Wirtschaftslage in Kenia bleibe ihnen nur die schlecht bezahlte Klickarbeit für Cloudfactory.  Sie kritisieren das Unternehmen auch aus einem weiteren Grund: dem Eingriff in ihre Privatsphäre. Denn Cloudfactory kontrolliert die Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, mit digitalen Hilfsmitteln. Das Unternehmen kann über einen speziellen Browser nicht nur Screenshots von den privaten PCs der Arbeiter erstellen, sondern auch auf deren Webcams zugreifen.

via tagesschau: Training für Künstliche Intelligenz Wie Klickarbeiter in Kenia ausgebeutet werden

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