Mit widerwärtigen Plakaten mobilisiert die AfD in München gegen eine Drag-Lesung in der Stadtbibliothek: Unter dem Titel “Hände weg von unseren Kindern!” wird ein queerer Mensch als Gefahr für Kinder dargestellt. Der Priester Wolfgang F. Rothe erstattete Anzeige. Der politische Streit um eine Drag-Lesung für Familien mit Kindern am 13. Juni in einer Filiale der Münchner Stadtbibliothek hat einen neuen Tiefpunkt erreicht: Auf Plakaten mit den Parolen “Hände weg von unseren Kindern!” und “Genderpropaganda verbieten!” stellt die AfD einen queeren Menschen als Gefahr für Kinder dar. Das Motiv, das für eine Protestkundgebung gegen die Lesestunde wirbt, zeigt einen verängstigten Jungen, dem sich von hinten eine geschminkte Person mit Bart und gefärbten langen Haaren in offenkundig übergriffiger Absicht nähert. Für den katholischen Münchner Priester Wolfgang F. Rothe erfüllt das Plakat den Straftatbestand der Volksverhetzung. Mit dem Motiv “werden queere Menschen, näherhin Drag Queens, pauschal als (potentielle) Missbrauchstäter und damit als (potentielle) Straftäter verunglimpft”, heißt es in seiner bereits gestellten Strafanzeige, die queer.de vorliegt. Ein Angriff auf die Menschenwürde liege nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs dann vor, wenn das Recht der betroffenen Personen bestritten wird, als gleichwertige Persönlichkeiten in der staatlichen Gemeinschaft zu leben, argumentiert Rothe. “Durch die generelle Gleichsetzung von queeren Menschen, näherhin von Drag Queens, mit Straftätern, näherhin von Missbrauchstätern, wird dieses Recht der zuerst genannten Personengruppe meines Erachtens in unzulässiger Weise bestritten.” Der CSD München zeigte sich in einer Stellungnahme “schockiert, entsetzt und fassungslos” über das AfD-Poster. “Bildsprache und Polemik des Plakats erinnern stark an die Propaganda der 30er Jahre. So etwas dürfen wir nie wieder zulassen!”, erklärte CSD-Sprecher Tobias Oliveira Weismantel. Die Pride-Organisator*innen forderten alle demokratischen Parteien dazu auf, sich klar von dem Motiv zu distanzieren. Darüber hinaus warben sie um Unterstützung für die Demo “München ist bunt” am Dienstag, den 13. Juni um 15.30 Uhr vor der Stadtbibliothek Bogenhausen (Rosenkavalierplatz 16).
via queer: München Volksverhetzung: Anzeige gegen AfD gestellt