Eine großangelegte Umfrage soll die Kritik an den Corona-Maßnahmen in Deutschland untermauern. Die angewandten sind jedoch weitgehend ungeeignet, die Ergebnisse daher mehr als zweifelhaft. Es klingt zunächst beeindruckend: “52.929 Personen aller Alters- und Berufsgruppen” hätten an der “Deutschland-Umfrage 2021/2022” der “Corona-Initiative Deutscher Mittelstand” (CIDM) teilgenommen. Im “Querdenken”-Milieu werden die Ergebnisse von CIDM besonders häufig zitiert – untermauern sie doch scheinbar die Kritik an den Corona-Maßnahmen und an der Berichterstattung. Die CIDM ist eine 2020 gegründete Initiative, die nach eigenen Angaben “IST-Analysen, Monitoring, Trend-Prognosen und Beratung in der Corona-Krise” anbietet. (…) Während Schiffmann seinen Parteiposten aufgab, ist Romberg laut Impressum derzeit Parteivorsitzender. Auf die Teilnahme an der “Deutschland Umfrage” wurde in diversen Telegram-Kanälen und Facebook-Gruppen hingewiesen. So wurde der Teilnahme-Link beispielsweise in Facebook-Gruppen mit Namen wie “Unternehmer gegen Corona”, “Ich misstraue der Regierung!”, “Impfpflicht verhindern – Bürger für Gerechtigkeit” oder “Wir lassen uns NIEMALS gegen Corona impfen” geteilt – in vielen Fällen mit der Aufforderung: “Verteile die Umfrage großzügig im Freundes- und Bekanntenkreis auf allen Kanälen”. (…) Das Ergebnis der Umfrage: 65,8 Prozent der Geimpften halten die Impfpflicht für unverhältnismäßig oder sehr unverhältnismäßig. Bei einer Teilnehmerzahl von mehr als 50.000 sei das Ergebnis “mehr als repräsentativ”, behauptet Schiffmann – und führt weiter aus: “Eine Umfrage ist repräsentativ bei mehr als 2000 Teilnehmern.”Selbstrekrutierung bei Online-Umfragen”Das ist Blödsinn”, sagt Nico Siegel, Geschäftsführer von infratest-dimap. “Die Anzahl der Befragten an sich ist kein Kriterium für Repräsentativität.” Vielmehr sei eine Umfrage dann repräsentativ, “wenn die Auswahl der Befragten möglichst alle interessierenden Merkmale der zu erforschenden Personengruppe in verkleinertem Maßstab abbildet”.Josef Holnburger vom Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) sagt: “Das CIDM ist ja nicht repräsentativ, nur weil sie das behaupten.” Würde man in einem vollen FC-Bayern-Stadion eine Umfrage dazu machen, welcher Fußballverein der beste sei, käme man wohl auch auf 60.000 Stimmen – bei einem Ergebnis, dass man sich denken könne. Mehrere Anfragen von tagesschau.de, wie die Probanden ausgewählt, wo zur Teilnahme aufgerufen wurde und ob es Maßnahmen gegen Mehrfachabstimmungen gab, blieben inhaltlich unbeantwortet. Bereits an den veröffentlichten Ergebnissen kann man jedoch erkennen, dass die Auswahl der Befragten alles andere als repräsentativ ist: So weicht die Altersstruktur der Teilnehmer massiv von der tatsächlichen in Deutschland ab.

via tagesschau: Querdenken”-Szene – Umfrage mit zweifelhaften Ergebnissen

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