Jörg Meuthen sollte nicht als bürgerliches Gewissen der AfD verklärt werden. Als Bundessprecher hat er den Rechtsradikalismus für sich genutzt und den Diskurs verschoben. Zum Abschied eine kleine Anekdote über Jörg Meuthen. Achtung, es wird hässlich. Im Sommer 2016, mitten im Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg und mitten im parteiinternen Machtkampf mit Frauke Petry, war Meuthen noch auf dem Weg nach oben. Da wurde ein Zitat eines Südwest-Parteifreundes bekannt, der den damaligen US-Präsidenten Barack Obama einen “Quotenn*” genannt hatte. Meuthen war erst für einen Parteiausschluss des Beschuldigten – bis er sich mit ihm traf. “Da hat er einen seriösen Eindruck auf mich gemacht”, sagte Meuthen, und lächelte: “Ein guter Jurist.” Der Mann durfte bleiben. Nein, Jörg Meuthen war nie das gute Gewissen der AfD, als das er sich nun während seines Abgangs zu inszenieren versucht. Er war kein Reformer, auch war es nicht sein Ziel, die Partei zu deradikalisieren, im Gegenteil: Meuthen hat die Radikalisierung der Partei selbst betrieben – und dabei lange von ihr profitiert. Sein Ziel war persönliche Macht. Er hat am Sturz der Vorsitzenden Bernd Lucke und Frauke Petry mitgewirkt und dabei mit all jenen paktiert, für die die AfD nur das parteipolitische Vehikel völkischer Umsturzpläne war und ist. Auch sind nicht zuletzt durch den Einsatz von Jörg Meuthen Positionen und Sprechweisen in der Partei – und letztlich in der deutschen Öffentlichkeit – enttabuisiert worden, die vorher zu Recht als unanständig und unzulässig gegolten hatten. Meuthen war es, der gleich in mehreren Reden und Auftritten die Vokabel “links-grün-versifft” etablierte und damit die sprachliche Entmenschlichung politischer Konkurrenten vorantrieb. Und nun gibt sich ausgerechnet dieser Meuthen zum Abschied “erschüttert” darüber, “eine tiefe, auch verbal artikulierte Verachtung für Andersdenkende” bei vielen AfDlern festzustellen, wie er gerade auch noch einmal in einem Facebook-Eintrag ausführte.
Die völkische Revolution duldet keine Kompromissler Meuthen war Professor für Volkswirtschaftslehre, er kann sehr freundlich lächeln und hat ein eher bäriges Auftreten. Er hat davon profitiert, dass viele Deutsche offenbar noch immer glauben, man könne Menschen ihre Haltung an der Nasenspitze, der Kleidung oder ihrem Bildungsgrad ansehen. Als müssten hässliche Ansichten auch hässlich auftreten. Professor Meuthen hat seine nette Fassade gern zur Verfügung gestellt.

via zeit: Jörg Meuthen – Ein Mittäter

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Von Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, CC BY-SA 4.0, Link