Die Leiterin der geschlossenen, illegalen Schule war nach BR-Informationen in der sogenannten “Freilerner”-Szene aktiv. Experten stufen diese in Teilen als problematisch ein. Besonders aktiv in der Szene: ein österreichischer Zauberkünstler. Er hält Vorträge, betreibt einen YouTube-Kanal und will, wie er dem BR mitteilte, “freie Entscheidung in allen Bildungsfragen”. Von der Schulpflicht oder der staatlichen Verantwortung, pädagogische Inhalte zu vermitteln, hält er wenig: Ricardo Leppe, Anfang dreißig, Gedächtnistrainer, Zauberkünstler und sogenannter “Freilerner”. Wer mit Eltern spricht, die die Corona-Maßnahmen ablehnen oder ihre Kinder aktuell aus der Schule nehmen, hört immer wieder Leppes Namen. Nach BR-Recherchen war auch die Leiterin der illegalen Schule in Schechen im Landkreis Rosenheim in einer Telegram-Chatgruppe des Leppe-Netzwerks aktiv. Über Verbindungen zu Ricardo Leppe und ihre Sicht auf dessen Lernkonzepte wollte sie sich nicht äußern.
Verfassungsschutz prüft Bezüge zur Anastasia-Bewegung. Unter Experten sind Teile der Freilerner-Szene hoch umstritten, da sie problematische Inhalte weiterverbreiteten. Das sagt der Sektenbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Matthias Pöhlmann, im Interview mit dem BR. Er analysiert Ricardo Leppes Inhalte seit mehreren Monaten und nennt ihn einen “rechten Esoteriker”: “Leppe greift problematisches rechtes esoterisches Gedankengut auf, das vor allem in der Anastasia-Bewegung vorhanden ist.” Die Bewegung berufe sich auf eine Buchreihe, in der sich “antidemokratische, antisemitische und auch rassistische Aussagen” finden, so Pöhlmann. Ricardo Leppe weist auf Anfrage des BR den Vorwurf des “rechten Esoterikers” zurück. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz ist inzwischen in die Ermittlungen zum Fall der illegalen Schule im Landkreis eingebunden. Aktuell würden auch “mögliche Bezüge des Schulprojekts zur Anastasia-Bewegung geprüft.” Schulgründungen werden durch Verein unterstützt. Ricardo Leppe ist Präsident eines Vereins, auf dessen Homepage sich eine Karte mit mehr als einem Dutzend Orten in Bayern findet. Die Links in der Karte führen zu Telegram-Chatgruppen. Dort sollen sich Gleichgesinnte vernetzen und zu alternativen Lernkonzepten für Schülerinnen und Schüler austauschen. Es geht aber auch um Vorbereitungen zu möglichen Schulgründungen, wie das Beispiel der ehemaligen Leiterin der Schule im Landkreis Rosenheim zeigt. Leppe schreibt auf Anfrage, dass er mit hunderten Schulen weltweit im Kontakt stünde. Ob das zutrifft, lässt sich nicht überprüfen.
via br: Illegale Schule bei Rosenheim: Das Netzwerk der “Freilerner”