Ist eine Eisenbahn für Kinder in einem Freizeitpark in Memleben rassistisch? Neben den Schienen stehen halbnackte, schwarze Menschen, die einen weißen Forscher kochen, um ihn zu verspeisen. Ein empörter Gast sagt: dieses Bild aus Zeiten des Kolonialismus sei “zutiefst beleidigend”. Der Betreiber des Parks in Memleben nennt die Darstellung “lustig” und den Rassismus-Vorwurf lächerlich. Die Szene mit dem Kochtopf fällt sofort auf: Eine Figur eines dunkelhäutigen Afrikaners, hat Knochen im Haar, Zahnlücken und riesige, schielende Augen. Es ist eine von mehreren Figuren der so genannten “Kongo-Bongo-Gebimmelbahn” im Erlebnistierpark in Memleben in Sachsen-Anhalt. Für einige der Besucher ist diese Darstellung von schwarzen Menschen aus Afrika blanker Rassismus. Im vergangenen Sommer – als die Vergnügungsparks noch nicht wegen Corona geschlossen hatten – hat Volker Weyel an MDR exakt geschrieben. Er hatte den Freizeitpark mit seiner Familie besucht. “Es war insbesondere unsere Tochter, die das zuerst entdeckt hatte und hellauf entsetzt war”, berichtete er damals. Seine Frau stammt aus Uganda. “Das ist zutiefst beleidigend und abwertend, weil hier Menschen nicht als Menschen, sondern als Menschenfresser wahrgenommen werden.” Es sei eine ganz üble Präsentation von rassistischen Vorurteilen, sagt Volker Weyel. Er hat deshalb an den Geschäftsführer des Parks geschrieben und diesen gebeten, die Figuren zu entfernen. Eine Antwort vom Park hat er nicht erhalten. Mitte September war MDR exakt in Memleben – einem kleinen Ort in der Gemeinde Kaiserpfalz im Süden von Sachsen-Anhalt. Die Afrika-Bahn steht direkt hinter dem Eingang. Laut Werbung kann damit eine “Reise durch das Land der Kannibalen” unternommen werden. Im Rest des Freizeitparks gibt es viele Tiere, vom Tiger bis zum Minischwein, dazu Spielplätze und Karussells. Es ist ein klassisches Ausflugsziel für Familien. (…) “Die Diskussion um Rassismus ist doch meistens sehr aufgeladen oder wird nur in bestimmten Kreisen geführt”, erklärt Katharina Warda. “Wir alle reagieren in vielen Situation tatsächlich rassistisch, ohne dass wir es wissen und ohne dass wir es wollen.” Das Problem fange jedoch an, wenn man darauf hingewiesen wird und diese Hinweise dann ignoriere oder rassistische Aussagen als Bagatelle abtue. “Diese Ignoranz ist meiner Meinung nach ein Riesenproblem und Motor dafür, dass Rassismus sich so weiter stark erhalten kann in unserer Gesellschaft.” Rassismus beginne nicht erst bei Übergriffen auf Menschen nicht-weißer Hautfarbe, sondern bereits bei so alltäglichen Dingen wie einem Fahrgeschäft in einem Freizeitpark.

via mdr: Werden in einer Bahn für Kinder rassistische Vorurteile bedient?