VW mit nächstem PR-Patzer: Konzern wirbt auf rechtsradikaler US-Plattform – User: „Schämt Euch“

Der Wolfsburger Autobauer VW gibt Millionen für Werbung aus. Doch die Marketing-Profis hauen immer wieder daneben. Jetzt hat sich der Konzern in den USA einen Fauxpas geleistet. Beim Wolfsburger Autobauer Volkswagen legen sie Wert auf Vielfalt und gleiche Chancen für alle. Man stehe, heißt es auf der Webseite des Unternehmens im schönsten PR-Sprech, „für Toleranz, Offenheit und einen solidarischen Umgang“ miteinander. „Fremdenfeindlichkeit, Hass, Ausgrenzung und Verfolgung haben in unserem gemeinsamen Unternehmen keinen Platz.“ Doch in der eigenen Werbung hinkt der größte europäische Autobauer den eigenen Ansprüchen schon mal hinterher. Erst im vergangenen Mai sorgten die Wolfsburger mit einem Mini-Video zur Golf 8-Einführung für einen Mega-Gau. In dem Clip, der zuerst auf dem Twitter-Kanal von VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann lief, schnipst eine riesige, weiße Hand vor einer Bar namens Petit Colon einen Schwarzen durchs Bild. Dazu war der Beitrag auch noch kommentiert: „Now if that‘s not Magic, what is?“ – „Wenn das nicht Magie ist, was dann?“ VW: Werbevideo sorgt für Entsetzen – „Rassistisch“
Im Web sorgte das geschmacklose Video für blankes Entsetzen. Der Petit-Colon-Clip sei „rassistisch“, schimpften User tausendfach. Bei VW wollten sie den heraufziehenden Proteststurm durch eine simple Löschung austreten. Aber das ging gründlich schief. Kaum zwei Wochen später tauchte das Video erneut auf, dies Mal auf Instagram und die Kritik schwoll zum weltweiten Shitstorm an. VW: Neuer Werbe-Fauxpas in den USA Jetzt hat der Konzern den nächsten Fauxpas hingelegt. In den USA werben die Wolfsburger für ihren neuen Stromer ID.3 auf dem umstrittenen US-Portal Breitbart. Die rechte Webseite ist wiederholt durch die Verbreitung von Verschwörungsideologen, Stimmungsmache sowie Falschmeldungen aufgefallen. So hatte das Portal 2016 etwa mit manipulierten Daten Zweifel am Klimawandel gesät. Trump hatte den langjährigen und umstrittenen Breitbart-Chefredakteur Steve Bannon während seiner Amtszeit als Berater ins Weiße Haus geholt und ihn kurz vor dem Ende seiner Präsidentschaft auch noch begnadigt.

via wlz online: VW mit nächstem PR-Patzer: Konzern wirbt auf rechtsradikaler US-Plattform – User: „Schämt Euch“

VW Kuebelwagen 1.jpg
Von <a href=”https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Darkone” class=”extiw” title=”de:Benutzer:Darkone”>Darkone</a> – <span class=”int-own-work” lang=”de”>Eigenes Werk</span>, CC BY-SA 2.5, Link – volkswagen. symbolbild

Homo-Hasser Rush Limbaugh ist tot

Der Verschwörungstheoretiker machte sich über schwule Aids-Tote lustig oder gab Feministinnen die Schuld an kleiner werdenden Penisgrößen. Jetzt starb der Multimillionär an Lungenkrebs. Der amerikanische Radiokommentator Rush Limbaugh ist am Mittwoch im Alter von 70 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Seine Witwe Kathryn Limbaugh verkündete die Todesnachricht in der Radioshow des Rechtsaußen-Aktivisten, in der er seit den Achtzigerjahren stets seine Sicht der Welt verbreitet hatte und an fünf Tagen der Woche Millionen von Menschen erreichte. Die Trauer in der LGBTI-Community hält sich in Grenzen: Aus seiner Abneigung gegen Minderheiten hatte Limbaugh, dessen Vermögen auf 600 Millionen Dollar geschätzt wird, zu Lebzeiten nie ein Geheimnis gemacht – besonders oft polemisierte er gegen schwule Männer. Er galt jahrzehntelang als einer der einflussreichsten rechtspopulistischen Meinungsmacher. Zum Tod von Limbaugh erschien im amerikanischen LGBTI-Nachrichtenmagazin “The Advocate” ein Artikel mit der Überschrift: “Warum sollte ich irgendetwas Nettes über den toten Rush Limbaugh sagen?” Autor John Casey macht dabei aus seiner Abneigung gegen den Verstorbenen keinen Hehl (“Er starb an Lungenkrebs. Er hätte an einem Hirntumor sterben sollen, weil sein Kopf ein Schleimsieb war”). In sozialen Netzwerken wird an Limbaughs hasserfüllte Tiraden gegen Homosexuelle oder andere Minderheiten erinnert. So hatte er einst in seiner Sendung ein Segment mit dem Titel “AIDS Update”, in dem er die Namen von an Aids gestorbenen schwulen Männern vorlas und sich über deren Tod lustig machte.

via queer: Homo-Hasser Rush Limbaugh ist tot

Czech Police charge two men for publishing racist content about mass killing last year, Pirate Party and ROMEA filed reports against them

Racist commentaries were posted beneath a news item on mainstream news server Novinky.cz on 8 August 2020 about a tragic incident in Bohumín, Czech Republic, where 11 people, three of them children, died as the result of arson committed on the 11th floor of an apartment building. The Czech Police have charged two men with making racist remarks in association with last year’s tragic arson in Bohumín. Czech MP Olga Richterová (Pirates) and the ROMEA organization had jointly filed a criminal report against them.  Officers in Prague have charged a 43-year-old man there with posting racist comments online about the incident. After arson was committed inside an apartment building on 8 August 2020, 11 people died, including several children. Eva Kropáčová, spokesperson for the police in Prague, said the accused man produced and then posted a comment that was of a hateful, racist character about the people living in the apartment that had been attacked. Detectives charged the man with defamation of an ethnic, national, racial or other group and with approving of a felony. If convicted, the man from Prague could spend as long as three years in prson. A 41-year-old man from Ostrava has also been charged for authoring a racist article about the incident. Even though the vice-mayor of Bohumín, Igor Bruzl (Czech Social Democratic Party – ČSSD) announced to the public that neither the deceased nor the perpetrator had been members of a minority community, the Ostrava-based author referred to the dead in his article as “cikáni”. The piece was published on the right-wing extremist “Vlastenecké noviny” (“Patriotic News”) portal with the headline “Eleven fewer cikáni. Some of it burned up and some of it jumped out of the window”, describing the children who were victims of the attack as “a cikánská brood” and citizens of Romani origin as “an overpopulation of parasites”.   The author also used the phrase “barbecue of cikáni” to refer to the attack. The operator of the portal is an association headed by a Radek Velička.   Crime reports The analytical team of the Pirate Party, in collaboration with the ROMEA organization, mapped the most brutal, insidious comments posted online in the aftermath of the mass killing. Richterová and ROMEA then sent those articles and comments to police as part of their joint crime report against the unidentified perpetrators.

via romea: Czech Police charge two men for publishing racist content about mass killing last year, Pirate Party and ROMEA filed reports against them

Diffamierung von Wissenschaftlerin – Kalkulierte Hetzkampagne – #MaishaAuma

Seit einem Tagesspiegel-Interview wird die Professorin Maisha Auma rassistisch attackiert, auch von AfD-Politikern. Immer mehr Forschende zeigen sich solidarisch. Solidarität mit Maureen Maisha Auma fordern 772 Wissenschaftler:innen in einem gemeinsamen Brief an den Deutschen Hochschulverband, der dem Tagesspiegel vorliegt. Die Institutionen der deutschen Hochschullandschaft sollten sich öffentlich gegen die rassistische Diffamierung der Magdeburger Professorin für Diversity Studies positionieren. Auma, die derzeit eine Gastprofessur an der TU Berlin innehat, war im Anschluss an ein Tagesspiegel-Interview zu Intersektionalität und strukturellem Rassismus Opfer einer rechtsextremen Hetzkampagne geworden. Von der AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt befeuert, wurden auf Twitter, Facebook und Instagram Anfang Januar zahlreiche menschenverachtende Kommentare gepostet. Auma wird seither rassistisch diffamiert, persönlich beleidigt und bedroht. Im Interview hatte die Sozialwissenschaftlerin beklagt, dass es an deutschen Hochschulen nach wie vor zu wenige Schwarze und People-of-Color Professor:innen sowie wissenschaftliches BPoC-Personal in dauerhaften Anstellungen gebe. So würde etwa die Zusammensetzung des wissenschaftlichen Personals der Berliner Hochschulen die „postmigrantische Realität der Stadt“ nicht adäquat abbilden.
Die Strategie der Rechtsextremen Die AfD-Sachsen Anhalt, namentlich ihr kulturpolitischer Sprecher, der als Rechtsaußen geltende und vom Verfassungsschutz beobachtete Hans-Thomas Tillschneider, hatte Auma daraufhin in den sozialen Netzwerken sowie auf der Webseite des Landesverbandes „Rassismus gegen Weiße“ und „Lobbyarbeit für Einwanderer aus Afrika“ vorgeworfen. Zudem sprach Tillschneider der international renommierten Forscherin die wissenschaftliche Qualifikation ab und forderte, die Professorin „in ihre Schranken zu verweisen“. Solche Reaktionen seien dezidiert rassistisch und außerdem eine typische, strategisch intendierte Reaktion auf rassismuskritische Aussagen von BPoC-Wissenschaftler:innen, sagt die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Frauen- und Geschlechterforschungseinrichtungen der Berliner Hochschulen (afg Berlin), Magdalena Beljan. So reihten sich die Invektiven gegen Auma in eine von rechten Kräften orchestrierte, groß angelegte Diffamierungskampagne ein. „Wir erleben das regelmäßig im Anschluss an den Aktionstag #4Gender-Studies, in dessen Rahmen ja das Interview im Tagesspiegel lief, dass Wissenschaftler:innen gezielt von Rechtsextremen eingeschüchtert werden.“
Rechte “Cancel Culture” Im medialen Diskurs über eine vermeintlich linke Cancel Culture, werde kaum zur Kenntnis genommen, dass die wirklichen, für Leib und Leben bestimmter Akteure bedrohlichen Versuche, kritische Positionen mundtot zu machen, aus dem rechten Lager erfolgten, sagt Beljan. Zudem werde die übliche Taktik bemüht, Positionen, die auf strukturellen Rassismus hinweisen, in absichtsvoller Geschichtsvergessenheit selbst als rassistisch zu brandmarken. Die rassistische Hetze gegen Maisha Auma reihe sich ein in eine Kampagne gegen BPoC-Wissenschaftler:innen, sagt Magdalena Beljan. „Diese Form der Bagatellisierung des Rassismus ist als diskursive Taktik in der Neuen Rechten sehr beliebt“, sagt Rüdiger Seesemann, Professor für Islamwissenschaft und Leiter des Exzellenzclusters „Africa Multiple“ an der Universität Bayreuth. In der seriösen Forschung herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass Rassismus ein historisch mit dem europäischen Kolonialismus verknüpftes Konzept darstellt. Ermordung, Unterdrückung und Ausbeutung wurde so der ideelle Boden bereitet.

via tagesspiegel: Diffamierung von Wissenschaftlerin – Kalkulierte Hetzkampagne

“Digitales #Denkmal” – #Hanau erinnert mit Webseite an rassistischen #Anschlag – #terror #SayTheirNamens


Die Stadt Hanau will mit einer Internetseite und Gottesdiensten an die Mordopfer des rassistischen Anschlags vor einem Jahr erinnern. Noch nennt die Online-Präsenz aber nicht einmal die Namen der Ermordeten, sondern nur eine Reihe von Terminen. Zum Gedenken an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags mit neun Toten vor einem Jahr hat die Stadt Hanau eine Internetseite als “digitales Denkmal” ins Leben gerufen. Die Seite mit der Adresse www.hanau-steht-zusammen.de gehe in der Nacht zu diesem Freitag (19. Februar) online und umfasse Nachrufe, Videos, Interviews mit Angehörigen der Opfer sowie ein Kondolenzbuch, das auf bewegende Weise zeige, dass die Tat Menschen auf der ganzen Welt erschüttert habe, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Am Mittwochnachmittag umfasste die Webseite lediglich eine Reihe von Ankündigungen verschiedener Lokalinitiativen sowie Pressemitteilungen. Außerdem gibt es ein Kondolenzbuch und einen Videorückblick auf die Trauerfeier vom vergangenen März. “Es ist unser unverrückbarer Anspruch, die Opfer des 19. Februar 2020 niemals zu vergessen”, erklärte der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). “Das digitale Denkmal ist ein nachhaltiges, lebendiges Ausrufezeichen und gleichzeitig ein Aufruf, eine solche Tat nie wieder geschehen zu lassen.” Mit der Seite wolle man informieren und einen digitalen Ort schaffen, der immer offen sei und an den sich jeder jederzeit begeben könne, wenn er trauern möchte, Fragen habe oder Hilfe suche. Zugleich lade sie die Besucher ein, sich für Vielfalt und Toleranz zu engagieren. “Rassismus vergiftet Gesellschaften” Am 19. Februar vergangenen Jahres hatte ein 43-jähriger Deutscher neun Menschen erschossen, bevor er mutmaßlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Sein jüngstes Opfer war 21 Jahre alt.
Hier die vollständige Liste der Ermordeten: 

Gökhan Gültekin, 37
Sedat Gürbüz, 30
Said Nesar Hashemi, 21
Mercedes Kierpacz, 35
Hamza Kurtović, 22
Vili Viorel Păun, 23
Fatih Saraçoğlu, 34
Ferhat Unvar, 22
Kaloyan Velkov, 33
Gabriele Rathjen, 72

via t-online: “Digitales Denkmal”  – Hanau erinnert mit Webseite an rassistischen Anschlag

Medienregulierer nehmen rechte Online-Medien ins Visier

Medienregulierer überprüfen verstärkt Webportale auf journalistische Sorgfalt. Am Montag wurden zunächst elf Hinweisschreiben an Portale verschickt, darunter auch umstrittene Angebote aus dem rechten Spektrum wie KenFM oder der AfD-nahe „Deutschland-Kurier“. Das berichten dpa und der Deutschlandfunk. Die Schreiben verschickten die Landesmedienanstalten, die für die Regionen Berlin/Brandenburg, Hamburg/Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Saarland zuständig sind.  Gegenstand der Hinweisschreiben seien etwa in Nordrhein-Westfalen vor allem handwerkliche Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht, wie zum Beispiel das Fehlen von Quellen in den Artikeln. Auch Bilder, die aus ihrem ursprünglichen Kontext genommen werden und in einen anderen Kontext gesetzt werden, werden thematisiert. Die Portale haben nun die Möglichkeit, bis zum 1. März zu reagieren. Dass die Medienregulierer tätig geworden sind, geht auf den Ende 2020 in Kraft getretenen Medienstaatsvertrag der Bundesländer zurück. Das Regelwerk deckt nicht nur die Grundsätze für den Rundfunk in Deutschland ab, sondern greift erstmals auch bei Internetplattformen, die journalistische Inhalte bereitstellen. Ziel des Vertrags ist auch, gegen Desinformation vorzugehen und journalistische Sorgfalt sicherzustellen.

via meedia: Medienregulierer nehmen rechte Online-Medien ins Visier

siehe auch: Rechte Online-Medien im Fokus der Medienhüter. Durch den neuen Medienstaatsvertrag haben die Landesmedienanstalten inzwischen die Möglichkeit, auch gegen Online-Medien vorzugehen. Mehreren rechten Angeboten drohen nun Sanktionen. Seit der neue Medienstaatsvertrag in Kraft getreten ist, haben die Landesmedienanstalten die Möglichkeit, bei Verstößen auch gegen einzelne Inhalte von journalistisch-redaktionellen Online-Medien vorzugehen. Und von dieser Möglichkeit machen sie einem Bericht des Deutschlandfunks zufolge inzwischen auch Gebrauch. Demnach sollen insgesamt 13 sogenannte Hinweisschreiben an Online-Medien verschickt worden sein, die keine Mitglieder des Presserats sind. Im Fokus stehen dabei offensichtlich vor allem rechte Online-Medien wie der umstrittene YouTube-Kanal von Ken Jebsen, dem die Google-Plattform erst vor wenigen Wochen endgültig den Saft abgedreht hat. Neben “KenFM” soll auch die Facebook-Seite des als AfD-nah geltenden “Deutschland-Kuriers” betroffen sein. Gleiches gilt für das Portal “Flinkfeed”, das mit überwiegend rechten Inhalten vor allem auf junge Menschen schielt.  Man schaue dabei “nicht auf die Frage, ob uns der Inhalt gefällt oder nicht gefällt”, stellte Tobias Schmid, Chef der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Medien (LfM), gegenüber dem Deutschlandfunk klar. Stattdessen werde schwerpunktmäßig geschaut, ob es handwerkliche Fehler gebe oder Quellen nicht klar gekennzeichnet seien, “ob Zitate nicht als solche gekennzeichnet sind, ob Recherchepflichten nicht erfüllt worden sind und ob dadurch möglicherweise ein Eindruck erzeugt wird, der in der öffentlichen Wahrnehmung manipulativ sein kann, ob absichtlich oder versehentlich”.

Impfgegner: Reaktionärer Widerstand seit 200 Jahren

Impfgegner sind politisch und ideologisch motiviert. Darum ist es schwer, ihnen mit Argumenten zu begegnen. Norbert Hofer hat den durch Fraktionschef Herbert Kickl verkörperten strammen Anti-Impfkurs der Partei durchkreuzt. Kurz zuvor gab der freiheitliche Welser Bürgermeister Andreas Rabl (FPÖ) in den Medien bekannt, sich sicher impfen zu lassen. Das ist gut. Und er empfiehlt, “Impfungen nicht zur ideologischen Frage zu machen.” Das ist naiv. Impfungen und der Widerstand dagegen sind eine Frage von Ideologien und Werten seit 200 Jahren (…) 1869 geb es bereits ein Anti-impf-Magazin Man konnte den Erfolg einer Impfung schon damals erklären, sehen und zählen. Doch die Freunde diverser Seuchen zeigten sich schon damals unbeeindruckt: In Tirol setzte der Rebell Andreas Hofer zu Beginn des 19. Jahrhunderts in seiner kurzen Herrschaft über das heilige Land die von der bayerischen Herrschaft eingeführte Pockenimpfungen aus – offenbar auf Anregung seines Mitkämpfers Joachim Haspinger. Dieser rabiate Kapuzinerpater hatte die Vakzinen schon länger bekämpft, wäre doch der reinen und naturwüchsigen Tiroler Seele damit “bayerisches Denken” eingeimpft worden. Diese Fußnote zeigt, dass der Tiroler Widerstand zu einem guten Teil auch reaktionäres Aufbegehren gegen die napoleonische Moderne war. Die war manchem in der Lederhose zuwider. Religiös verbrämtes Sektierertum gegen die Aufklärung, das gibt es auch heute. Bei der Demo am 16. Jänner in Wien sah man eine Frau mit einem Plakat, auf dem zu lesen war: “Jesus Blut heilt Euch, nicht die Impfung.”  In England erschien im Jahr 1869 mit dem “The Anti-Vaccinator” die wohl erste Zeitschrift der Impfgegner. In einer Art Leitartikel stellen die Impfgegner die Frage, warum das “Glaubensbekenntnis einer medizinischen Sekte” per Impfpflicht durchgesetzt werden sollte.  Impfungen wurden immer schon mit Juden assoziiert Das wohl älteste bekannte Sujet von Impfgegnern stammt aus dem Jahr 1869: Es zeigt eine Mutter, die mit ihrem kleinen Kind im Arm flüchtet, vor einer Schlange mit der Aufschrift “Vaccination”. Der stilisierte Tod hält sich im Hintergrund, doch er frohlockt. Suchte eine Weltanschauung einen Sündenbock, so wusste sie die Schlange zu benennen. Der deutsche Philosoph Eugen Dühring, ein rabiater Vordenker des nationalsozialistischen Antisemitismus, schrieb 1881: “Auch von dem Impfaberglauben selbst abgesehen, ist der Impfzwang immer ein Mittel, durch welches dem ärztlichen Gewerbe eine unfreiwillige Kundschaft zugeführt wird.” Und natürlich ortete Düring “die Juden” hinter Impfungen und Impfzwang: “Der ärztliche Beruf ist wohl unter allen gelehrten Geschäftszweigen nächst der Literaten am stärksten von Juden besetzt.” 
Nazi-Deutschland als “Anti-Vakzi-Nation” Der Zugang der Nationalsozialsten zu Impfungen war von Zweifeln geprägt. Pragmatische Überlegungen für einen widerstands- und wehrfähigen “Volkskörper” sprachen für Impfungen. Die Idee einer Immunisierung der Massen widersprach indes dem Gedanken von Auslese und Abhärtung. Dass der “Herrenmensch” mit einer Impfung den “Untermenschen” schützt und vice versa, das war offenbar ein unerträglicher Gedanke. Julius Streicher schrieb im Jahr 1935: “Die Impfung ist eine Rassenschande”. Hinter einer gesetzlichen Impflicht aus dem Jahr 1874 verortete Streicher jüdische Abgeordnete. Streichers Hetzblatt “Der Stürmer” illustrierte den Zeitgeist in einem Sujet: Ein Arzt mit Hakennase, er lächelt verschlagen, hält eine Spritze in der Hand. Seine Patientin hat ein Kind im Arm, sie sieht sehr deutsch aus und äußert Bedenken: “Mir ist so komisch zu Mut, Gift und Jud tut selten gut.”  Der Deutsche Impfgegner-Ärztebund reimte im Jahr 1935:  „Deutsches Volk, hab‘ nichts mit dem Impfen gemein, / Es ist jeder wahren Gesundheitspflege Hohn, / Und willst Du nicht selbst Dein Totengräber sein, / Dann bekenn‘ Dich entschlossen zur Anti-Vakzi-Nation!“ Volksbegehren: rechte Reihen sind geschlossen
Der rechte Narrensaum im Lande hält auch im Jahr 2021 die Reihen hinter einem “Volksbegehren gegen Impfpflicht” dicht geschlossen. Diese Attitüde ist nur mit viel Fantasie von einem historischen Kontinuum zu trennen. Die Sektion Straßentheater der rechtsextremen Identitären zog im Sommer 2020 mit einer Gesichtsmaske von Bundeskanzler Sebastian Kurz durch die Straßen, ausgestattet mit einer großen Spritze und mit der rhetorischen Frage: “Wer will sich von Kurz impfen lassen?”  Rührig ist auch die rechte Politseniorin Inge Rauscher mit ihrem Verein “Heimat & Umwelt”. Rauscher wollte vor zwei Jahren mit einer EU-Austrittsbewegung in das EU-Parlament einziehen. Derzeit macht sie sich für das “Volksbegehren gegen Impfpflicht” stark. Die stark rechtslastige “Wegwarte”, eine Publikation von Rauschers Initiative, wagt sich weit vor in das Metier der Medizin. In der Ausgabe vom September 2020 steht, “dass diese Coronaimpfung erstmals in der Geschichte der Menschheit in die Erbsubstanz jedes Einzelnen eingreifen und diese verändern wird.” Und: “Was sollen Impfungen nützen gegen einen Virus, der noch nie nachgewiesen wurde?” Weiter hinten in dem Intelligenzblatt liest man, der Mobilfunkstandard “5G kann Coronaerkrankungen verursachen”.

via standard: Impfgegner: Reaktionärer Widerstand seit 200 Jahren