Neben Frust über Bürokratie und Agrarpolitik spielen vor allem wirtschaftliche Sorgen und ein schwindendes Vertrauen in die Politik eine Rolle. Auch wenn sich das Ergebnis über Monate abzeichnete – für viele war das Votum bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein Schock. Die AfD hat mehr als 44 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten. Doch wie haben Landwirte gewählt? Und vor allem: Warum? Eine Umfrage von agrarheute und der Bauernzeitung unter Landwirten versucht, das zu klären. Ein Ergebnis ist, dass der Anteil der Landwirte, die AfD gewählt haben, überdurchschnittlich hoch ist. Allerdings ist die Aussagekraft der Befragung begrenzt: An der Umfrage nahmen 169 Landwirte teil. Sie ist statistisch gesehen damit nicht repräsentativ für die Landwirte in Sachsen-Anhalt und zeigt allenfalls eine Tendenz auf.
Laut Analyse haben 56 Prozent der Befragten ihre Zweitstimme der AfD gegeben, gegenüber 19 Prozent CDU, 9 Prozent den Grünen und 7 Prozent der FDP. BSW, SPD und Linke bleiben unter 5 Prozent. Bei der Erststimme liegt die AfD ebenfalls bei 56 Prozent. Das spricht innerhalb dieser Stichprobe für eine vergleichsweise stabile Parteipräferenz und nicht nur für ein taktisches Zweitstimmenverteilen. Dafür spricht auch, dass die Befragten, sollte jetzt auch der Bundestag gewählt werden, zu 94 Prozent ebenfalls ihr Kreuz bei der AfD machen würden. Schaut man sich die Gründe für die Wahlentscheidung an, dann ist bemerkenswert, dass Agrarpolitik allein nicht erklärt, warum Landwirte die AfD wählen. Nur 33 Prozent nennen Agrarpolitik als ausschlaggebendes Themengebiet, 67 Prozent andere Themen. (…) Das Bild könnte man so interpretieren: Landwirte haben Frust, wenn sie sich die Agrarpolitik anschauen, unter ihr gefühlt oder tatsächlich leiden. Die Aussagen verdichten sich zu einem Ruf nach weniger Regulierung, mehr Wettbewerbsfähigkeit und verlässlicheren Rahmenbedingungen. Wirtschaftspolitik kommt bei Landwirten nicht gut an Das wird ebenfalls deutlich, sieht man sich die anderen Themen bei der Wahlentscheidung an. Bei den nicht in erster Linie agrarpolitisch motivierten Befragten erreichen Wirtschafts- und Steuerpolitik sowie Energiepolitik und -preise sehr hohe Relevanzwerte. (…)
Für die Einordnung der Ergebnisse ist ein Blick auf die Zusammensetzung der Stichprobe wichtig. 86 Prozent der Teilnehmer sind Männer. 2 Prozent sind zwischen 18 und 24 Jahre alt, 7 Prozent zwischen 25 und 34, 27 Prozent zwischen 35 und 44, 26 Prozent zwischen 45 und 54 und 23 Prozent zwischen 55 und 64 Jahren. 16 Prozent sind 65 Jahre oder älter. Bei den Betriebszweigen waren Mehrfachnennungen möglich. 78 Prozent der Teilnehmer betreiben Acker- beziehungsweise Marktfruchtbau, 44 Prozent Tierproduktion und Veredelung, 37 Prozent Grünland- und Futterbau, 24 Prozent regenerative Energien und 21 Prozent Forstwirtschaft. Hinzu kommen einzelne Betriebe unter anderem mit Hofläden oder Aquakultur.
via agrar heute: Umfrage zur Landtagswahl Warum viele Landwirte die AfD gewählt haben – Umfrage zur Landtagswahl

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