Die Gewerkschaft „Zentrum“ gilt als Vorfeldorganisation der AfD, hat rechtsextremistische Verbindungen und einen Gründer, der in einer Neonazi-Band spielte. Jetzt versucht sich der Verein in Norddeutschland zu verankern. Mitte April sitzt Jens Keller in einem schlichten, weißen Raum in Hannover Nord-West und bläst zum Angriff auf IG Metall und Ver.di. In Norddeutschland, tönt er, werde man den „Altgewerkschaften“ die Mitglieder wegnehmen. Man werde dafür sorgen, dass sich die Mitgliederzahlen in den nächsten Jahren halbieren werden. Es ist eine vollmundige Kampfansage. Eine Kampfansage von Rechtsaußen. Keller ist hier, um das neue Büro der „Alternativen Gewerkschaft“ Zentrum einzuweihen. Eine Aufnahme der Pressekonferenz wird anschließend im Netz veröffentlicht. Mit emotionsloser Stimme erklärt Keller, dass die Gewerkschaften einst „ein Garant für Wirtschaftswachstum, für die Zukunft und den Namen ‚Made in Germany‘“ gewesen wären. Doch den Organisationen gehe es heute nicht mehr um die Interessen der Arbeitnehmer, behauptet er. Seine Erzählung geht so: Die DGB-Gewerkschaften seien nur noch „Sprachrohre der Altparteien“ und machen gegen „demokratisch zugelassene Parteien“ mobil. Kooperation mit „Compact“ und „Ein Prozent“ Jens Keller nennt die angesprochenen Parteien nicht beim Namen, aber offenkundig ist eine mitgemeint, in der er selbst aktiv ist: die AfD. Seit 2015 ist er Parteimitglied, führt die Fraktion im Stadtrat von Hannover an. Außerdem arbeitet er als Kraftfahrer beim kommunalen Entsorgungsunternehmen aha. Dort sorgte er vor rund einem Jahr für Aufsehen, als er sich bei den Personalratswahlen aufstellen ließ – und Stimmkönig wurde. Bei Ver.di, wo Keller damals Mitglied war, wollten sie ihn am liebsten rauswerfen, weil die Gewerkschaft nichts mit der AfD zu tun haben möchte. Doch alle Versuche scheiterten. Lesen Sie auch: Gewinnen rechte Betriebsräte auch in Niedersachsen Einfluss unter Arbeitern? Inzwischen hat Keller Ver.di eigenmächtig verlassen. Seit Mai leitet er die Geschäftsstelle von Zentrum in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Es ist der erste Ableger in Norddeutschland. Von hier aus will sich Zentrum in der Region ausbreiten, mit AfD-Mann Keller als Strippenzieher. Auf der Website heißt es, man wolle Arbeitnehmern ein „anderes gewerkschaftliches Angebot“ machen, „außerhalb der verkrusteten Seilschaften“ zwischen den etablierten Gewerkschaften und den politischen und wirtschaftlichen Klassen. Belege für angebliche Seilschaften? Fehlanzeige. Zentrum-Gründer spielte Gitarre in einer Neonazi-Band Wofür es aber Belege gibt: die enge Verbindung in die rechtsextreme Szene. Laut Verfassungsschutz kooperiert Zentrum mit Organisationen, die als gesichert rechtsextremistisch geführt werden, wie dem „Compact“-Magazin und dem Netzwerk „Ein Prozent“. Auch der Gründer von Zentrum hat eine braune Vergangenheit. Sein Name: Oliver Hilburger, ein gelernter Maschinenschlosser und Gitarrist in der aufgelösten Band „Noie Werte“, die unter Neonazis Kultstatus hat. Auch interessant: „Kinderschutzkongress“ der AfD in Hannover: Kulturkampf ums Kindeswohl 2009 hat Hilburger Zentrum in Baden-Württemberg ins Leben gerufen, damals noch unter dem Namen Zentrum Automobil. Der Plan: Eine stark rechts ausgerichtete Gewerkschaft zu etablieren, um den sozialdemokratisch geprägten DGB-Gewerkschaften, die über die betriebliche Mitbestimmung maßgeblich entscheiden, Konkurrenz zu machen und ihnen Einfluss zu entziehen. Hilburger ist auch heute noch Vorsitzender und zentrale Figur des Vereins.
via noz: „Alternative Gewerkschaft“ – „Zentrum“: Wie ein rechter Verein Betriebe im Norden unterwandern will