Sie geben sich schwesterlich kumpelhaft und mütterlich suggestiv: Rechtsextreme Frauen nutzen auf Social Media „weibliche“ Themen für ihre Zwecke. Ein Blick in die Szene zeigt, wie gefährlich das ist. Sie komme aus einer sehr politischen Familie, sagt sie und mit Nachdruck: „Ich darf von mir behaupten, dass ich in dritter Generation rechts bin.“  Es ist ein sommerlicher Tag Mitte Juli 2024, als Reinhild Boßdorf auf einem Podium diese Sätze in ein Mikrofon spricht. Festgehalten in einem Video, das auf Youtube zu finden ist.  Die 25-Jährige sitzt zwischen dem AfD-Politiker Matthias Helferich und der Publizistin Ellen Kositza. Beim Sommerfest des Antaios-Verlags, den Kositzas Mann Götz Kubitschek leitet und den der Verfassungsschutz jüngst als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft hat, sprechen die drei über Diskriminierung. Nicht die der anderen. Die eigene. Reinhild Boßdorf, deren Mutter Irmhild für die AfD im EU-Parlament sitzt, hat dazu einiges zu sagen. Sie erzählt, sie sei als Person mit rechter Meinung geoutet worden, „bevor ich mein Abi-Zeugnis in der Hand hatte“. Offenbar ging sie damals noch nicht so offen mit ihrer Gesinnung um wie jetzt. Sie sagt, sie habe nicht zu Ende studieren können, nicht Soziale Arbeit, nicht Französisch und Philosophie, weil Kommilitonen ihr das Leben schwer machten. Bei Demonstrationen in Bonn hätten Studierende skandiert: „Reinhild, Brunhild, scheißegal, Nazis bleiben illegal.“ Sie lächelt. Auf der Bühne wird sie bewundert für ihre Standhaftigkeit.  Was macht rechte Politik für Frauen interessant? Immer noch wird die rechte Szene vor allem mit Männern in Verbindung gebracht. Im Bundestag ist die AfD die Partei mit dem geringsten Anteil von Politikerinnen. Die Zahl der Frauen in ihrer Wählerschaft steigt nur langsam. Doch obschon Männer in der Überzahl sind, stehen ihnen Frauen ideologisch gesehen ins nichts nach. (…) Boßdorf hat 2019 das Frauennetzwerk Lukreta gegründet. Zuvor war sie etwa drei Jahre bei der rechtsextremen Identitären Bewegung aktiv, wollte anschließend aber laut eigener Aussage lieber etwas „frauenexklusiveres“ machen. Nicht um sich von den Männern zu distanzieren, betont sie bei Kubitscheks Sommerfest – sondern um einen „Frauenraum“ innerhalb der Rechten zu schaffen.

via tzagesspiegel: Gutaussehend, fürsorglich – und völkisch: Wie subtil und effektiv rechtsextreme Frauen für ihr Netzwerk mobilisieren

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