In Schleswig-Holstein gründen AfD-Mitglieder den Verein „Blaue Welle“. Unter dem Deckmantel des Naturschutzes verbreiten sie rechte Ideologie. Die AfD in Schleswig-Holstein expandiert in ein Themenfeld, das sie sonst meist bekämpft: Umwelt- und Naturschutz. In Kiel haben sich Parteimitglieder um Hubert Pinto de Kraus zusammengetan, um den Verein „Blaue Welle“ ins Leben zu rufen. Das Motto des Vereins laut eigener Angabe: „Natur- und Umweltschutz ist auch Schutz der Heimat.“ Pinto de Kraus, der 2025 als Oberbürgermeisterkandidat in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt antrat, versprach im Wahlkampf, sich für „unsere Natur, unsere Umwelt, unsere Heimat“ einzusetzen. Zugleich forderte Pinto de Kraus jedoch mehr Parkraum und eine Stärkung des Individualverkehrs – ganz auf der Linie der AfD, die den Autoverkehr weiterhin vor allem mit Verbrennermotoren forcieren will. (…) Statt auf Klimaschutz setzt die AfD auf die Formel „Umweltschutz statt Klimawahn“. Damit versucht die Partei gezielt, die Grünen sowie Initiativen wie Fridays for Future als „ideologisch“ abzuwerten und ihnen den Einsatz für die Natur abzusprechen. Zwei Strömungen rechter Positionen zum Klimaschutz Diese Strategie hat System. In ihrer Studie „Klimarassismus“ (2022) unterscheiden die Soziologen Matthias Quent, Christoph Richter und Axel Salheiser zwei Strömungen rechter Positionen zum Klimaschutz: Während die eine Umwelt- und Naturschutz völkisch als Blut-und-Boden-Aufgabe begreife, deute die andere den globalen Klimaschutz als ein ideologisches Projekt liberaler Eliten, mit dem das Volk gegängelt und der Wohlstand ruiniert werden solle. Die ideologischen Grundlagen für solche Initiativen liefert in der rechten Szene unter anderem das Magazin Die Kehre – Zeitschrift für Naturschutz, das versucht, einer angeblich stattfindenden „Verengung der Ökologie auf den ‚Klimaschutz‘“ entgegenzuwirken. Redaktionsleiter Jonas Schick, der aus dem Umfeld der Identitären Bewegung (IB) in Norddeutschland stammt, argumentiert, dass Naturschutz auch „Kulturlandschaften, Riten und Brauchtum, also auch Haus und Hof“ umfassen müsse.
via taz: AfD-naher Naturschutzverein Blaue Welle auf braunem Grund
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