In Chatgruppen erklären Männer einander, wie sie aus Fotos von Frauen Deepfake-Pornographie machen – und prahlen mit den Ergebnissen. Wir haben mitgelesen. Es ist ziemlich leicht, die eigene Freundin zur Pornodarstellerin zu machen. „Das kostet dann 16 Dollar“, sagt ein Mann, der sich auf sogenannte „Deepfakes“ spezialisiert hat. Wir geben uns als interessierten Kunden aus, der einen Porno bei ihm beauftragt. Er erklärt uns, wie es läuft: Erst das Geld überweisen, dann ein ganz normales Porträtfoto der Freundin schicken. In seinem Telegram-Kanal teilt er die echten Vorlagen von Frauen, die angezogen im Auto sitzen oder im Kleid posieren – daneben dann das, was er daraus gemacht hat: Die gleichen Frauen lächeln nun nicht mehr, sondern finden sich nackt, geknebelt, vergewaltigt. Der Missbrauch mit Deepfakes ist seit Jahren weit verbreitet. Das Leid, das sie bei den Frauen auslösen, dringt dagegen gerade erst ins öffentliche Bewusstsein. Während es in anderen Ländern längst große Debatten über den Missbrauch von Frauenfotos gab, lenkt der Fall von Collien Fernandes hierzulande erst jetzt den Blick auf ein gravierendes Problem. Die Schauspielerin sucht seit vielen Jahren nach den anonymen Tätern im Internet, die gefälschte Pornos und Nacktbilder von ihr verbreiten – und beschuldigt nun ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Ein Fall, der viele wohl deshalb so bewegt, weil sie Ähnliches erleben. Und weil das Gesetz hier einer Technik hinterherhinkt, die längst nicht mehr neu ist. Aber was passiert da eigentlich genau? Wie gehen Männer vor, die solche Pornos erstellen und verbreiten? Und wie sprechen und denken sie darüber? Wir beginnen im Darknet zu recherchieren. Sehr schnell finden wir Links, die zu Chatgruppen führen. Dort lesen wir mit. In geheimen Gruppen auf Discord, aber auch in Chats auf Telegram und in Foren auf Reddit, die in nur wenigen Klicks im Internet erreichbar sind. „Das ist das Foto meiner Cousine. Wer kann mir mit dem Video helfen?“ Auf Discord finden wir eine Chatgruppe mit mehr als 29.000 Mitgliedern. Ihre Nutzer schreiben überwiegend auf Englisch, ihre Zitate sind übersetzt. In der Gruppe teilen sie selbst erstellte Fotos und Videos, bewerten die der anderen und fragen nach technischen Tipps. „Das ist das Foto meiner Cousine. Wer kann mir mit dem Video helfen?“, schreibt einer. Er postet das Foto einer nackten Frau. Wer genau diese Nutzer sind, lässt sich nicht sagen. Sie nutzen ausschließlich anonyme Accounts. Doch vieles deutet darauf hin, dass sich hier fast ausschließlich Männer austauschen. Sie nennen sich Gabriel, Adam, Sascha, Marius oder auch Mr. Red, Der Rick, Dokmen. Vor allem aber lassen die Inhalte, die sie verschicken, Rückschlüsse auf ihr Geschlecht zu: Es sind fast immer Fotos und Videos von nackten Frauen. Die Vorlagen dafür stammen von Freundinnen, Ehefrauen, Lehrerinnen, Schauspielerinnen. Das jedenfalls behaupten die Ersteller. „Meine Freundin“, schreibt freddynando13 und schickt ein Foto, auf dem eine Frau in entwürdigender Pose zu sehen ist. Manche bieten die eigene Freundin auch anderen zur freien Verfügung an. „Zeigt meiner Freundin mal, was ihr alle mit ihr machen könnt“, schreibt einer und schickt das Foto einer jungen Frau im Abendkleid, die freundlich in die Kamera lächelt. Dann brüstet er sich damit, was er selbst mit ihr machen kann. Die Frau ist nun nackt in verschiedenen Posen zu sehen. Auf dem Sofa, in der Badewanne, beim Sex.
via faz: DEEPFAKE-PORNOGRAFIE: Zeigt meiner Freundin mal, was ihr alle mit ihr machen könnt
