Er lieferte der CSU die Formel vom Konservativen, der an der Spitze des Fortschritts marschiert: Der Historiker Maik Tändler hat den Einfluss von Armin Mohler auf die deutsche Rechte rekonstruiert. Franz Josef Strauß sprach sein vielzitiertes Wort, konservativ zu sein heiße, an der Spitze des Fortschritts zu marschieren, auf dem 28. Parteitag der CSU am 14. Dezember 1968 in München. Wer den politischen Sinn des Diktums verstehen will, muss gemäß der Methode des englischen Historikers Quentin Skinner fragen, gegen wen es sich richtete. Wollte der CSU-Vorsitzende am Ende des geistigen Wendejahrs 1968 seine im Selbstbewusstsein selbstverständlich konservative Partei für einen historischen Kompromiss mit dem Fortschritt gewinnen? Das Gegenteil ist der Fall. Die Zuständigkeit einer sich als christlich und sozial definierenden Regierungspartei für Förderung und Verwaltung des Fortschritts war in der Partei unstrittig. Werben musste Strauß dafür, dass dieses Projekt auch als konservativ bezeichnet werden konnte. Den Tenor der Wortmeldungen in der Beratung des Grundsatzprogramms fasste der Berichterstatter der F.A.Z. so zusammen: Freilich sei die Partei konservativ, aber aus mancherlei Gründen solle man das nicht so herausstellen. Mohler war Redenschreiber für Franz Josef Strauß Dass es dann doch herausgestellt wurde und bis heute auf CSU-Parteitagen herausgestellt wird, weil Strauß die passende Formel parat hatte, bezeichnet den Höhepunkt des Einflusses des Publizisten Armin Mohler auf die Politik der Bundesrepublik. Mohler, geboren 1920, gestorben 2003, war ein Schweizer und wurde am 21. Dezember 1942 in seiner Heimatstadt Basel als Deserteur verurteilt, weil er nach Deutschland gegangen war, um sich zur Waffen-SS zu melden. Er wurde 1949 in Basel promoviert, arbeitete als Sekretär von Ernst Jünger und berichtete für deutschsprachige Zeitungen aus Frankreich. Von 1964 bis 1985 leitete er als Geschäftsführer die Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München. Persönlicher Kontakt zwischen Strauss und Mohler, der ihn in der „Spiegel“-Affäre verteidigt und in der Zeitschrift „Der Monat“ als Nachfolger Adenauers empfohlen hatte, bestand seit Januar 1964. Für die Zusendung von Mohlers von Piper verlegtem Buch „Die fünfte Republik. Was steht hinter de Gaulle?“ bedankte sich Strauß mit der Einladung zum Austausch „über eine Reihe politischer Fragen“. Mohler wurde auf Honorarbasis für Strauß als Redenschreiber tätig.

via faz: ARMIN MOHLER UND DIE NEUE RECHTE: Vordenker der AfD