In der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Hilchenbach eröffnet der rechtsextreme Dritte Weg ein Parteibüro. Dann wird ein führender Funktionär überraschend in den Stadtrat gewählt. Das löst erhebliche Unruhe aus – zumal es zahlreiche juristische Streitigkeiten gibt. Eine dunkelgrüne Fahne hängt von einem Balkon im ersten Stock schlaff herunter. Die Aufschrift bleibt in den Stofffalten verborgen. Wer durch die Dammstraße in Hilchenbach geht, erkennt an diesem windstillen Tag nicht sofort, dass die rechtsextreme Partei Der Dritte Weg am Gebäude mit der Hausnummer 5 gehisst hat. Wenn man davor steht, ist es nicht mehr zu übersehen. An der Balkonbrüstung ist ein breites Transparent befestigt. Darauf ist links die typische römische Ziffer „III“ mit Blätterkranz zu sehen. In der Mitte steht in großen Lettern: „Wir danken unseren Wählern! Gemeinsam für Hilchenbach!“ Rechts ein Porträtbild von einem Mann mit der Unterzeile: „Stadtverordneter Julian Bender“. Die Rollläden an den Schaufenstern im Erdgeschoss sind heruntergelassen. Durch ein Fenster oben schimmert Licht. Parteibüro des Dritten Weges in der Dammstraße in Hilchenbach Quelle: Kristian Frigelj Vor gut drei Monaten ist bei den nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen in der Stadt mit etwa 15.000 Einwohnern etwas passiert, das etliche Einwohner beunruhigt und Verfassungsschützer alarmiert: Ein Rechtsextremer ist in den Stadtrat eingezogen. 237 Personen votierten für den Dritten Weg und hievten die Kleinstpartei mit 3,08 Prozent in das Gremium. Es ist neben einem Platz im Kreistag von Prignitz (Brandenburg) das bundesweit zweite kommunalpolitische Mandat für die Partei mit etwa 950 Mitgliedern. Sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet: „Die ideologischen Aussagen der Partei ‚Der Dritte Weg‘ sind nationalsozialistisch, antisemitisch und rassistisch geprägt“, heißt es da. Sie propagiere ein „rechtsextremistisches Staats- und Gesellschaftsbild“, greife insbesondere „völkisch-nationalistische Elemente des historischen Nationalsozialismus“ auf und wolle die „rigide Ausgrenzung aller vermeintlich Fremden ohne Rücksicht auf die Menschenrechte“ verwirklichen.
via welt: Wie ein „brauner Systemsprenger“ eine Kleinstadt in Aufruhr versetzt