Die Anastasia-Bewegung gibt sich harmlos esoterisch, ist aber stramm rechts. Das zeigt sich einmal mehr bei einem Konzert in einem Brandenburger Yoga-Zentrum. Eine verdeckte Recherche. Die junge Frau steht barfuß in dem kleinen Konzertraum. Sie trägt ein weites Kleid, ihr Haar ist zu einem Zopf geflochten, in den Händen hält sie eine Gitarre, später eine Harfe. Das Publikum lauscht, die Frau singt: „Schwören vereint im Donnerschein / wir wollen treue Deutsche sein.“ Nach dem Lied kämpft sie mit den Tränen. „Es ist mein Herzensthema, dieses Deutsch-Sein“, sagt sie. Die Frau, die da singt, nennt sich „Stimme der Heimat“ und heißt mit bürgerlichem Namen Friederike Jung. Sie gehört der Anastasia-Bewegung an, einer völkisch-esoterischen Bewegung, die aus Russland stammt, doch längst auch in Deutschland Fuß gefasst hat. Die rechten Esoteriker geben sich harmlos und naturverbunden. Doch die Verbindungen in die extrem rechte Szene sind eng: Friederike Jung spielte schon vor Neonazis und tanzte mit Holocaust-Leugnern. Doch an diesem Tag wählt Jung einen ziemlich harmlos wirkendes Ort für ihr Konzert: Das „Adelhaus“, ein Yoga-Bauernhaus in der Prignitz, dem malerischen Westen Brandenburgs. Der Weg dorthin führt über schmale Straßen, sanfte Hügel und weite Felder. Das Anwesen besteht aus mehreren rustikalen Bauernhäusern und verfügt über einen weitläufigen, liebevoll gepflegten Garten. Eigentlich werben die Betreiber auf ihrer Webseite mit Meditationsseminaren, einer Schwitzhütte und einer besonderen Spezialität: Selbsterfahrung durch Gong-Klänge. So weit, so gewöhnlich. Doch es gibt auch andere Veranstaltungen im Adelhaus, die man nicht auf der Webseite findet. Auftritte wie der von Anastasia-Anhängerin Friederike Jung. (…) In Brandenburg zählt der Verfassungsschutz fünf Siedlungsprojekte der Anastasia-Bewegung. Das größte davon, „Goldenes Grabow”, befindet sich nur wenige Kilometer vom „Adelhaus” entfernt. Gegründet wurde es vom Landvermesser Markus Krause und seiner Frau Iris. Seit 2014 hat es dort eine ganze Reihe von Anhängern der Anastasia-Szene hingezogen. Auf sich aufmerksam gemacht haben die Krauses unter anderem mit einem Video einer Dorfversammlung von 2015, das sie selbst veröffentlichten. Darin machen sie mit rassistischer Verschwörungsideologie Stimmung gegen Geflüchtete.
via tagesspiegel: Völkische Lieder zwischen Klangschalen: Wie Rechtsextreme Yoga-Räume erobern