80 Prozent der deutschen Bevölkerung sind für eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts. Dennoch gelang es einer von Adelsfamilien orchestrierten Anti-Abtreibungslobby, die Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Bundesverfassungsrichterin vorerst zu verhindern. Im Bundestag hatte Beatrix von Storch zuvor eine Rede gegen sie gehalten. Mittlerweile wurde zahlreich belegt, dass hinter der Hetze gegen die Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf als Verfassungsrichterin ein Netzwerk aus Rechtsextremen, christlichen Fundamentalisten und Abtreibungsgegner steht.  Schauen wir bei dieser Kampagne der Anti-Abtreibungslobby gegen Frauke Brosius-Gersdorf genauer hin, so sehen wir als Akteurinnen: die „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) die Initiative „Demo für alle“ (DfA) und die AfD. Die CDL wurde von einer „von Galen“ gegründet, die standesgemäß einen „von Westphalen“ ehelichte. Die DfA gründete ihre Großnichte, eine „von Lüninck“, die einen „von Beverfoerde“ heiratete. Die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende war eine „von Oldenburg“, bevor sie einen „von Storch“ heiratete. Heiraten wie der Adel früher Uns mag diese Heiratspolitik antiquiert erscheinen, sie setzt sich aber fort. Und deren Protagonist*innen sind mit ihrer Geschlechterpolitik erfolgreich. In diesem Artikel werde ich daher exemplarisch zeigen, dass die antifeministische bzw. „familistische“ (Gisela Notz) Ideologie dieser aristokratischen Lobby nicht nur über Familien vererbt, sondern noch immer in der Heiratspolitik praktiziert wird – und dass sie mit Narrativen aus der Nazizeit verbunden ist. Der Familismus dieses Adelsnetzwerks beschränkt sich nicht nur auf Heiratspolitik. Die Söhne und Töchter werden politisch entsprechend in Stellung gebracht: Die parallel zur CDL gegründete „Stiftung Ja zum Leben“ wird aktuell von der Tochter „von Westphalen“ zusammen mit ihrem Ehemann „von Hohenberg“ geführt. Ein Sohn der DfA-Aktivistin „von Beverfoerde“ hat jüngst eine bei den „Märschen für das Leben“ aktive Habsburgerin geheiratet. Insgesamt versammeln sich deutlich über einhundert untereinander verheiratete bzw. verwandte Adelige als tonangebende Funktionär*innen im familistischen Antifeminismus zu den Themen Homosexualität und Abtreibung im deutschsprachigen Raum. Und zur Durchsetzung ihrer Agenda werden einflussreiche Posten angestrebt, gerade auch im juristischen Feld. Nach Neil Datta vom „European Parliamentary Forum for Sexual and Reproductive Rights“ geht auch die Handreichung der Geheimorganisation „Agenda Europe“ mit dem Titel „Restoring the Natural Order“ auf einen Adeligen zurück: Jakob Cornides von Krempach. In diesem Strategiepapier hieß es 2014 „Bring the Right People into the Right Positions“. Es war dort explizit von der Besetzung der nationalen obersten Gerichte die Rede. Neben der Sprachpolitik (Homosexualität zum Beispiel sollte konsequent als „Sodomie“ bezeichnet werden), war dies die Kernforderung.

via campact: Antifeminismus als Familientradition