In den Gruppen wurden, nach Stadtbezirken aufgeteilt, Kontaktdaten und Aufenthaltsorte sowie Nacktfotos von Frauen geteilt. Digitale Gewalt gegen Frauen formiert sich nicht nur zufällig, in Kommentarspalten, sondern organisiert sich auch systematisch, wie eine aktueller Vorfall wieder gezeigt hat: Männer tauschten in Telegram-Gruppen Kontaktdaten von Frauen aus, um diese dann gezielt online zu belästigen. Auch nicht-einvernehmliche Nacktfotos der Personen wurden geteilt. Großer Zusammenhang Die Täter hatten sich bei ihren Angriffen auf Frauen konzentriert, die Teil sogenannter “Are We Dating the Same Guy”-Gruppen (AWDTSG) sind. Von diesen gibt es über 150 Stück allein auf Facebook, hier kommen weltweit etwa 3 Millionen Mitglieder zusammen. Die Foren wurden 2022 von der New Yorkerin Paola Sanchez ins Leben gerufen, um Warnungen vor untreuen Männern auszusprechen und boomten schnell. In den letzten Jahren versuchten einige Männer mit Verleumdungsklagen gegen das System vorzugehen, diese wurden gegen Mitglieder, Administratoren und die Facebook-Mutter Meta gerichtet. Andere entschieden sich für organisierte digitale Gewalt. Zuerst stießen Mitglieder der AWDTSG-Gruppen selbst auf öffentliche Telegram-Channel und teilten Screenshots ihrer Funde. Nähere Untersuchungen von Wired ergaben, dass es sich um ein zusammenhängendes Netzwerk an männlich dominierten Telegram-Gruppen handelt, dass der Rache dienen soll. Die Strukturen siedelten erst nach einiger Zeit auf das freizügigere Telegram um, vormals organisierte man sich über Facebook. Geografisch zugeschnitten Wired untersuchte daraufhin mehr als 3.500 Nachrichten einer dieser Gruppen auf Basis von Daten des Analyse-Tools Telemetr.io über einen Zeitraum von 24 Stunden. Dabei beobachteten sie, wie Frauen “verfolgt, verdächtigt und erniedrigt” wurden, indem ihre Telefonnummern, Social-Media-Accounts und Standortdaten veröffentlicht sowie nicht-einvernehmliche Nacktbilder geteilt wurden. Wurden die Kontaktdaten einer Frau geteilt, veranlasste dies andere Gruppenmitglieder, sie zu kontaktieren und ihr intime Bilder oder abfällige Texte zu schicken. Die tausenden Nutzer ermutigten sich in ihrer digitalen Gewalt gegenseitig und stachelten sich an, mehr “Rachepornos” zu teilen. Einige der Chats wurden geografisch höchst genau zugeschnitten: So wurde etwa London in vier Teile mit je einer Gruppe aufgeteilt, um die Belästigung noch effizienter zu gestalten. Hier konnten sich Informationen über Frauen im Umkreis eingeholt werden, etwa “Was ist ihr @?”, im Bezug auf ihre Social-Media-Accounts, oder “Irgendwelche Infos aus dem Westen?”. Wurden Fotos geteilt, wurde ausgiebig über die objektifizierten Frauen diskutiert, wenn dies noch nicht geschehen war, wurde dazu aufgerufen, etwa mit den Worten: “Wer teilt, sorgt sich, sei nicht gierig.”. Allgegenwärtige Beschimpfungen waren oft rassistischer Art, schwarze Frauen waren am meisten von dem Missbrauch betroffen.

via standard: Online-Gewalt gegen Frauen systematisch in Telegram-Gruppen organisiert

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