Er saß viele Jahre für Hamburg-Altona im Bundestag: Jetzt tritt Marcus Weinberg nach 38 Jahren aus. Seine Begründung gerät zur Abrechnung mit der Politiklinie der Partei. Bei der Bürgerschaftswahl 2020 war er Spitzenkandidat für die CDU in Hamburg. Lange war er Bundestagsabgeordneter. Jetzt tritt Marcus Weinberg nach 38 Jahren Mitgliedschaft aus der Partei aus – ein Paukenschlag für die Hamburger CDU. Die Entscheidung habe er sich lange und reiflich überlegt, erzählte er dem Hamburger Abendblatt. Als Grund nannte der 57 Jahre alte Lehrer im »Hamburger Abendblatt« inhaltliche Differenzen und eine fehlende Identifikation mit dem aktuellen Kurs der Partei. Der CDU-Landesverband bestätigte den Austritt. »Meine gesellschaftliche Haltung, die auf Zusammenhalt und Solidarität statt auf Populismus und Polarisierung setzt, mein Politikverständnis, das auf Ausgleich und eine politische Gesamtverantwortung allen Menschen gegenüber statt auf eine verengte Wählerklientelpolitik setzt, waren immer unverzichtbare Voraussetzungen zur Bindung an die CDU«, sagte Weinberg dem Abendblatt. »Diese Bindungselemente als Identifikation sind nicht mehr mit der heutigen CDU so, dass sie für mich tragfähig sind.« (…) »Am ›großen Gesamtbild‹ von Ole von Beust und Angela Merkel habe ich voller Überzeugung meine kleinen Pinselstriche gezogen. Ich spürte immer, auch bei allen vorhandenen Fehlern, das insgesamt positive Wirken der Gesamtverantwortung den Menschen gegenüber – auch über die eigene Wählerschaft hinaus«, sagt Weinberg dem Abendblatt rückblickend. Heute erkenne er bei der gesellschaftspolitischen Haltung und beim Auftreten der CDU »Linien und Ausrichtungen, die nicht meine sind.« Empört sei er über den Generalsekretär Carsten Linnemann, der mehr als 100.000 Menschen das Bürgergeld streichen will, weil sie angeblich nicht bereit seien, eine Arbeit anzunehmen. In Hamburg bemängelt er unter anderem, dass das Konzept der liberalen Großstadtpartei beerdigt wurde. Die Unterstützung für ein Gender-Verbot hält er auch für einen Fehler, so Weinberg gegenüber dem Abendblatt.
via spiegel: Ex-Spitzenkandidat in Hamburg Marcus Weinberg tritt aus der CDU aus

Von Dennis Williamson – Auftragsarbeit seitens Marcus Weinberg erteilt an Dennis Williamson, CC BY-SA 4.0, Link