Erik Ahrens gilt als einer der Köpfe hinter dem AfD-Erfolg auf TikTok. Was macht er besser als die Berater aller anderen Parteien? »Sehen Sie das hier?« Aufgeregt tippt Erik Ahrens auf das eingefrorene Gesicht von Maximilian Krah, das sich auf dem Bildschirm gerade zu einem Lächeln verzieht. »Das ist eine Millisekunde zu lang gewesen.« Mit ein paar geübten Klicks kürzt Ahrens den Beginn des Videos vom AfD-Spitzenkandidaten um einige, ja wirklich, Millisekunden. »Da kommt sonst der Abschaltimpuls«, erklärt er. Und dann, mit erhobenem Zeigefinger: »Ich habe ein ganz, ganz feines Gespür dafür, ob etwas langweilig ist oder nicht.« Über die nächsten drei Stunden wird klar: Dieses Gespür beschränkt sich auf das Virtuelle. Dabei könnte man Erik Ahrens, 29, für eine schillernde Figur halten, wenn man ihn googelt. Der »Stern« nannte ihn »AfD-TikTok-Guru«, Jan Böhmermann »Profi-Faschist«, der Brandenburger Verfassungsschutz führt ihn als »Rechtsextremist« (…) Der Grund, warum Ahrens sich für so klug hält, ist das, was den anderen Parteien gerade starkes Kopfweh bereitet: der irrsinnige Erfolg der AfD auf TikTok. Der Account der AfD-Fraktion im Bundestag hat allein fast doppelt so viele Follower wie die Accounts aller anderen Parteien im Bundestag zusammen, er erreicht mit jedem Post durchschnittlich 430.000 Nutzer . Dazu kommen Dutzende Accounts einzelner AfD-Politiker und ein ganzer Schwarm rechter Aktivisten, die die Inhalte der Partei weiterverbreiten. Die »FAZ« nannte TikTok deshalb vor Kurzem die neue »Wunderwaffe « der Partei. Besonders um einen AfD-Politiker kommt man auf der App nicht herum: den Spitzenkandidaten für die Europawahl, Maximilian Krah. Und das ist vor allem das Verdienst von Erik Ahrens. (…) Die Videos, die Ahrens für Krah bastelt, folgen einem strengen Muster: Zuerst wird der sich durch den Feed wischende Nutzer mit einem Aufmachersatz festgenagelt – man steigt mit »Alle Ausländer raus?« ein, um dann ein »ist nicht, was wir fordern« hinterherzuschieben. Dann geht es mit hintereinander geschnittenen Sätzen im Stakkato-Tempo weiter. Das Wichtigste an so einem Video ist ein klarer Plan, das Skript. Und dann, dass der Vortragende den Text trotzdem halbwegs natürlich rüberbringt – was Krah, das muss man zugeben, gelingt. (…) An dieser Stelle eine kurze Skizze, wie der gebürtige Frankfurter Erik Ahrens politisch einzuordnen ist: Er ist Mitglied der Jungen Alternative, ordnet sich der »Identitären Bewegung« zu und ist mit deren Staraktivisten Martin Sellner per Du. Neben TikTok und Marketing sind seine Hobbys der »Kampf für das deutsche Volk« und die sogenannte »biopolitische Wende«. Da geht es zum Beispiel darum, dass die »erbliche Veranlagung der Schlüssel zu allem« sei und dass man bestimmte Bevölkerungsgruppen nicht ins Land lassen solle, weil sie im Durchschnitt einen niedrigeren IQ hätten. Rassismus will Ahrens das nicht nennen, weil das ein »linker Kampfbegriff« sei. Außerdem hat er auf X mal gefordert, man solle junge Frauen »zur Abgabe von Eizellen verpflichten, um die Demografie zu stabilisieren«, was ihm aber heute peinlich ist. Nicht peinlich ist ihm, dass er auf seinem X-Profilbild das »OK«-Handzeichen zeigt, das im politischen Kontext als rechtsextremes Erkennungszeichen  gilt. Dazu garnierte er sein Profil bis vor Kurzem mit einer germanischen Algiz-Rune, die für Leben und Tod steht und die zuletzt im Nationalsozialismus verwendet wurde, seitdem hauptsächlich von Esoterikern und Neonazis.

via spiegel: Digitale Propaganda »Sie sitzen hier mit jemandem auf der Ebene von Steve Bannon«