Der nach Russland getürmte Wirecard-Manager tarnte sich als orthodoxer Priester. Neue Recherchen legen nahe, dass Jan Marsalek wohl jahrelang für Moskaus Geheimdienste spionierte. Der größte Wirtschaftsskandal der deutschen Geschichte wird endgültig zum Spionage-Thriller. Als der milliardenschwere Betrugsfall das Imperium des Münchner Finanzdienstleisters Wirecard im Sommer 2020 in den Abgrund reißt, setzt sich Unternehmensvorstand Jan Marsalek nach Russland ab. Seitdem wird weltweit nach ihm gefahndet. Recherchen von ZDF frontal, des “Spiegels”, des österreichischen “Standards” und der russischen Investigativplattform “The Insider” decken nun auf: Im September 2020 hat Marsalek die Tarnidentität eines russisch-orthodoxen Priesters mit dem Namen Konstantin Bajazow angenommen. Zu seinem neuen Pass verholfen haben ihm Personen aus dem Umfeld russischer Geheimdienste. Und die Verbindungen reichen deutlich weiter zurück: Neue Recherchen legen nahe, dass Marsalek offenbar seit Jahren Teil russischer Spionagenetzwerke war. (…) Eine zentrale Rolle bei Marsaleks Eintauchen in die Welt der russischen Geheimdienste soll seine russische Geliebte Natalia Zlobina gespielt haben. Sie war Erotikmodell und spielte in einem Billig-Horror-Film von 1996 eine Attentäterin, die ihre Opfer ganz wie die echten russischen Dienste mit Nervengift ausschaltet. Teils vermuten Kenner des Falls, Zlobina sei als “Honigfalle” gezielt auf Marsalek angesetzt worden. Auch ihre russische Passakte wurde mit Daten einer anderen Frau manipuliert. Im Sommer 2020 wurden zudem ihre Reisebewegungen aus der Datenbank gelöscht – alles Hinweise auf besondere Schutzmaßnahmen der russischen Schlapphüte.

via zdf: Ex-Wirecard-Manager in Russland : Geheimidentität von Jan Marsalek aufgedeckt

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