Rechtsextreme Diskurse werden für queere, geflüchtete und aktivistische Menschen immer gefährlicher. Was tun? Solidarisch in die Offensive gehen. Berlinweit kam es in den vergangenen Wochen vermehrt zu queerfeindlichen Angriffen. Am vergangenen Montag verübte ein Serientäter einen Brandanschlag auf die Räumlichkeiten von Rad und Tat (RuT), einer Initiative lesbischer Frauen, in Neukölln. Nahezu zeitgleich und quasi nebenan wurden Scheiben mit homofeindlichen Bibelzitaten am linken Infoladen Lunte entdeckt. Mitte Juli bedrängte eine mit Flaschen bewaffnete Gruppe Neonazis des „Dritten Weg“ Feiernde beim Christopher Street Day (CSD). Auch darüber hinaus gab es im Juli zahlreiche Berichte über vereinzelte gewaltsame Übergriffe. Einer ereignete sich in der Reichenberger Straße in Kreuzberg. Zwei Menschen wurden ihren Aussagen zufolge zuerst beleidigt und dann brutal angegriffen. Beide mussten ins Krankenhaus. Die Täter haben fliehen können. Zeuginnen habe es viele gegeben, keiner sei eingeschritten. Die Halbjahresauswertung des Berliner Registers Friedrichshain-Kreuzberg bestätigt diesen traurigen Trend: Wurden von Januar bis Juni 2022 noch 7 LGBTQIA-feindliche Vorfälle gemeldet, waren es im gleichen Zeitraum 2023 bereits 25. Mehr als die Hälfte davon waren tätliche Angriffe, knapp ein Viertel Bedrohungen und Beleidigungen. Nach möglichen Ursachen braucht man im Internet nicht lange zu suchen. Schon seit Jahren hetzten Rechtsextremistinnen hier verstärkt gegen queere Menschen und Communitys und verherrlichen LGBTIQ-feindliche Gewalt. Gerade in den letzten Monaten und Wochen gelingt ihnen dabei zunehmend der Schulterschluss mit Antifeministinnen und konservativen Vertreter*innen der sogenannten „bürgerlichen Mitte“ – nicht zuletzt zu sehen in den Debatten um das schwarz-rot-beschissene Hashtag „Stolzmonat“.
via taz: Bewegungstermine in Berlin :Für offene Straßen und Grenzen