Vor 75 Jahren endeten die Nürnberger Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher. Seit heute sind die Prozessakten weltweit einsehbar: Die Universität Stanford hat sie digitalisiert und durchsuchbar gemacht. (…) Die Audio-Aufnahmen von damals – in exzellenter, weil restaurierter Tonqualität – gehören ebenso zum Online-Archiv der Stanford-Universität wie die Gerichtsakten, die nun einsehbar sind. Mehr als 20 Jahre hat es gedauert, bis die Nürnberger Akten endlich online gehen konnten, erzählt David Cohen, Professor und Direktor des Lehrstuhls für Menschenrechte und internationale Justiz in Stanford. Er ist der Meinung, “dass diese Dokumente nicht nur in irgendeinem Archiv bleiben sollen, das nur Historikern und Experten zur Verfügung steht. Wir müssen uns die heutigen technischen Möglichkeiten zu nutze machen, um ein viel breiteres und ein globales Publikum zu erreichen.” 50 Terabyte für Tausende AktenDie Idee zu dem offenen Archiv, das gut 50 Terabyte groß ist, hatte Cohen 1998 gemeinsam mit Professor Dieter Simon. Cohen war damals an der Universität von Berkeley und leitete dort das Zentrum für Kriegsverbrechen. Simon war Direktor am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main. Das Besondere an den 5215 Akten der Nürnberger Prozesse ist: Das erste Mal in der Geschichte saß eine Regierung auf der Anklagebank – wegen millionenfachen Mordes. (…) All diese Schriftstücke sind durchsuchbar, sagt Tom Cramer, Technik-Chef der Uni-Bibliothek von Stanford: “Damit man sich besser zurecht findet, hat der Lehrstuhl für Menschenrechte Erklärtexte formuliert, die Zusammenhänge herstellen. Die einzelnen Dokumente sind in verschiedene Gruppen aufgeteilt, zum Beispiel in ‘Anklagepunkte’, ‘Schlussplädoyers’ oder ‘einzelne Verbrechen’.”Hinzu kommen sollen im Sommer nächsten Jahres noch gut 1000 Stunden an Audio-Material. Dabei handelt es sich um Mitschnitte des Gerichtsverfahrens gegen die 24 Angeklagten. Außerdem haben die Archivare mehr als sechs Stunden Filmmaterial zusammengetragen, das ebenfalls Mitte 2022 abrufbar sein soll.
via tagesschau: Universität Stanford – Akten der Nürnberger Prozesse sind online
siehe auch: Stanford scholars expand digital database with historic records from the Nuremberg Trial. Stanford University is marking the 75th anniversary of the International Military Tribunal of Nuremberg with a significant expansion of records from the historic trial. Nearly 75 years ago, the Nuremberg Trial came to a close when on Oct. 1, 1946, a group of convicted Nazi leaders was sentenced by the International Military Tribunal (IMT) for crimes against peace, war crimes and crimes against humanity committed during World War II and the Holocaust. This first international military tribunal was monumental: Not only did it bring perpetrators of mass atrocities to justice, it was also the first time international law was used to prosecute individuals, including heads of state, for war crimes. In doing so, it established a legal precedent in international humanitarian law that is still relevant today.
siehe dazu auch: Taube Archive of the International Military Tribunal (IMT) at Nuremberg (1945-1946). Description of Collection: The collection in the Virtual Tribunal platform contains approximately 250,000 pages of digitized paper documents (transcripts of the hearings in English, French, German and Russian; written pleadings; evidence exhibits filed by the prosecution and the defense; documents of the Committee for the Investigation and Prosecution of Major War Criminals; the judgment). The official archives of the International Military Tribunal of Nuremberg (the “Nuremberg Trial Archives”) were entrusted to the International Court of Justice (ICJ) in 1950. The ICJ and its Registry are the custodians of the entire archive, which includes the original print documents that are available in digital form here, audio recordings of the trial’s proceedings, and evidentiary films.
