Jugendliche verstehen heute genug von Politik – und müssen länger mit den Folgen leben. Sie sollten wählen dürfen. So aufregend wie diese Wahl war lange keine, Familien erleben das gerade überall im Land. Da diskutieren Jugendliche mit den Eltern über Politik – und zwar zumeist auf Augenhöhe. Da wird über Kandidaten gestritten und über die Qual der Wahl. Am kommenden Sonntag allerdings ist das vorbei, da werden die Familien getrennt. Die einen dürfen in die Wahlkabine. Die anderen dürfen nicht. Bloß weil sie noch nicht 18 sind. Das war nie anders – und es habe der Republik nicht geschadet, argumentieren die konservativen Parteien. Jüngere Menschen könnten die Tragweite der Stimmabgabe oft gar nicht überblicken, also sollten sie die Demokratie vertrauensvoll jenen überlassen, die mehr Lebenserfahrung hätten. Und warum sollte wählen, wer nicht strafmündig ist und nicht geschäftsfähig? Die Antwort ist einfach: weil Wählen ein Grundrecht ist. Will man es einem Menschen vorenthalten, muss das gut begründet und immer wieder geprüft werden. 18 Jahre als Schwelle fürs Wählen ist also mitnichten per se richtig. Schon länger dürfen in mehr als der Hälfte der Bundesländer 16- und 17-Jährige an den Kommunalwahlen teilnehmen. Und auch bei anderen Fragen ist die 18 ein willkürlicher Wert: So können 20-Jährige nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden. Schon 16-Jährige gründen hingegen Start-ups. Und es gibt 80-Jährige, die ihr Konto nicht mehr allein führen können und die trotzdem wählen (zu Recht). Kurzum: Jugendliche sind mitunter ebenso reif wie Erwachsene. Für ein niedrigeres Wahlalter spricht jedoch noch ein anderes Argument: Niemals in der Geschichte der Menschheit waren die Zukunftsaussichten so düster – wenn sich beim Klimaschutz nicht bald Entscheidendes ändert. Nie zuvor hatten zugleich diejenigen, die das nicht mehr erleben werden, in Deutschland so viel politische Macht. Lag der Anteil der über 60-Jährigen an der Bevölkerung vor 50 Jahren bei 19 Prozent, so beträgt er heute 28 Prozent, Tendenz steigend. Entsprechend wichtig sind die Älteren für die Parteien. Doch nicht sie, sondern die nächste Generation wird ausbaden müssen, was jetzt angerichtet oder verschlafen wird (…) “Sollen Teenager wählen?”, fragte die ZEIT schon im Jahre 1966. Damals lag das Mindestalter bei 21 Jahren. Jüngere Leute hätten nicht die nötige “Urteilsreife”, meinte der Autor. Willy Brandt erhob die Senkung auf 18 trotzdem zum Programm und forderte “Mehr Demokratie wagen”. Der Liberale Hans-Dietrich Genscher trug die Reform in den Bundestag. Dort ging sie durch, und die Republik ging nicht unter, sie brach auf.
Razzia gegen rechtsextremen Shop: Sprengmittel und tausende CDs beschlagnahmt
Ermittler haben vergangenen Donnerstag einen mutmaßlichen Shop für rechtsextremistische Artikel ausgehoben. Bei Razzien in fünf Bundesländern und der Schweiz durchsuchten mehr als 100 Einsatzkräfte elf Gebäude und nahmen sechs Verdächtige ins Visier. Das Amtsgericht Göttingen Read more