Die Gewalt eines nicht geringen Teils der männlichen Fußballfans macht auch vor den eigenen vier Wänden nicht Halt. Die Fußballeuropameisterschaft der Herren ist vorbei, der Beginn der Saison 2020/21 steht bereits vor der Tür. Was für einige Grund zur Freude ist, stellt für andere eine reale, mithin lebensbedrohliche Gefahr dar. Fußball ist noch immer ein Hort der traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit – sei es auf dem Platz selbst, in den Fankurven oder außerhalb der Stadien. Zu diesen Bildern von Mannsein gehört allzuoft auch die Erhöhung über andere Personen, teils durch Ausübung körperlicher Gewalt. Noch während des EM-Finalspiels zwischen den Nationalmannschaften Englands und Italiens in London machte am vergangenen Sonntag ein Beitrag auf Twitter die Runde, in dem eine Nutzerin potenziell von männlicher Gewalt Betroffenen in der britischen Hauptstadt ihre Hilfe anbot: »Alle Frauen im Osten Londons, die besorgt sind wegen häuslicher Gewalt: Schreibt mir eine Nachricht, und wir geben euch ein Alibi, um nach dem Spiel bei uns zu bleiben. Wir haben natürlich nur begrenzt Platz, aber wenn andere Frauen ebenfalls sicheren Raum bieten können, bitte tut es«, heißt es darin. Innerhalb kurzer Zeit wurde der Originaltweet mehr als 14.000mal geteilt.
Denn die Gewalt eines nicht geringen Teils der männlichen Fußballfans macht auch vor den eigenen vier Wänden nicht Halt. Das belegen mehrere Studien aus Großbritannien. So zeigt eine Erhebung des »National Center for Domestic Violence« (NCDV), auf die das NCDV am Dienstag aufmerksam machte, dass seit Beginn der Europameisterschaft am 11. Juni die Zahl derjenigen Personen, die an das NCDV verwiesen wurden, um Schutzanordnungen zu erwirken, um mehr als 400 anstieg. Verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum vor Beginn des Turnier stellt das einen Anstieg um fünf Prozent dar. Von den Personen, die an das NCDV verwiesen wurden, waren 90 Prozent Frauen und zehn Prozent Männer. Allerdings vermutet die Organisation, dass es sich bei den Zahlen gerade einmal um die »Spitze des Eisbergs« handelt, wie I News berichtete. So warteten Opfer von sogenannter häuslicher Gewalt »in der Regel ab, bis der Sturm vorüber ist«. Dementsprechend könne es mehrere Tage oder gar Wochen dauern, bis Betroffene Hilfe suchen – auch das keineswegs ausgemacht.
Auch andere Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen Gewalttaten im privaten Umfeld und Fußballevents hin. So veröffentlichten Forscher der London School of Economics kürzlich eine Studie, laut der »häusliche Gewalt im Anschluss an Fußballspiele zunimmt«. Anhand detaillierter Daten der Polizei des englischen Manchester aus den Jahren 2012 und 2019 konnte nachgewiesen werden, dass in den zehn Stunden nach Spielen der Vereine Manchester United und Manchester City die Zahl dementsprechender gemeldeter Taten deutlich anstieg. Dabei mache es indes keinen Unterschied, ob die Klubs verloren oder gewonnen hätten. Die Forscher führen den Anstieg vielmehr auf den höheren Alkoholkonsum während Fußballspielen zurück.

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