Rechtes Treffen in Schnellroda Video zeigt Angriffe auf Journalisten bei Kubitschek-Treffen

Bei Götz Kubitschek in Schnellroda traf AfD-Jugend auf Rechtsextreme von „Identitärer Bewegung“ und „Junger Tat“. Dabei wurden Journalisten attackiert. Am Rande eines Treffens bei dem neurechten Verleger Götz Kubitschek in Schnellroda Ende Januar sind Jour­na­lis­tin­nen attackiert worden. Das Medienkollektiv „Recherche Nord“, das mit verschiedenen Medien wie auch mit der taz zusammenarbeitet, hat dazu nun ein Video veröffentlicht. Die Journalisten waren am 24. Januar mit einem dreiköpfigen Team vor Ort und wurden von professionellen Security-Mitarbeiterinnen begleitet. Als sie die Anreise zu einem Netzwerktreffen dokumentieren wollten, seien einige Teilnehmende gewalttätig geworden, sagte der Fotograf André Aden der taz. „Wir wurden aus einer Gruppe von bis zu 30 Personen bedrängt, beleidigt, geschlagen und bestohlen.“ Laut Aden wurden Funkgeräte zerstört und private Gegenstände geklaut. Die Polizei leitete Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Beleidigung und Diebstahl ein. Die Vorfälle ereigneten sich am Rande der sogenannten „Winterakademie“, zu der Kubitscheks Antaios-Verlag nach Schnellroda geladen hatte. Unter den Gästen befanden sich Martin Sellner, bekannter Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung aus Österreich, Ak­ti­vis­t*in­nen der rechtsextremen Organisation „Junge Tat“ aus der Schweiz, von der rechten Frauenorganisation „Lukreta“ sowie zahlreiche Vertreter des neuen AfD-Jugendverbands „Generation Deutschland“. Die taz hat mit mehreren Zeugen vom vergangenen Samstag gesprochen. Ihr liegen auch Videos und Fotos von einigen der Situationen vor. Darauf ist zu sehen, wie unter anderem Götz Kubitschek sich vor einer Kamerafrau aufbaut und ihr bis auf wenige Zentimeter nahekommt, was von den Jour­na­lis­tin­nen als bedrängend wahrgenommen wurde. Auch Sellner mischt mit. Er ist wie Kubitschek inmitten der Gruppe und greift in einer Szene einem Sicherheitsmann, der die Jour­na­lis­tin­nen begleitete, an den Ohrhörer seines Funkgeräts. Andere Szenen zeigen Tobias Lingg, einen der führenden Köpfe der „Jungen Tat“, wie er zusammen mit anderen teils vermummten Männern die Kameraleute und ihre Be­glei­te­r*in­nen bei Minusgraden gezielt mit Wasser bespritzt. Auf einer weiteren Aufnahme ist Manuel Corchia zu sehen, ebenfalls Aktivist der „Jungen Tat“, der einem Fotografen an die Kameralinse haut – während Polizisten direkt daneben stehen.

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AfD-Politikerin trifft Rechtsextremisten : Treffen mit Sellner soll Konsequenzen haben für Kotré

Die AfD-Politikerin Lena Kotré hat am Donnerstag den Rechtsextremisten Martin Sellner getroffen. Für Kotré könnte das Treffen nach ZDFheute-Informationen Konsequenzen haben. Donnerstagabend im brandenburgischen Vetschau. Die brandenburgische Landtagsabgeordnete Lena Kotré (AfD) diskutiert mit dem österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner das Thema “Remigration”. Dieses Treffen könnte für Kotré nun Folgen haben. Nach ZDF-Informationen war es bereits einige Tage zuvor Thema in einer Bundesvorstandssitzung der AfD, und es wurden Überlegungen angestellt, wie damit umzugehen sei. Jeder Kontakt zu Sellner sei “Gift” für das Ansehen der Partei, so ein Teilnehmer. Es werde in den nächsten Monaten Konsequenzen für Kotré geben. Ob bei der nächsten Wahl des brandenburgischen Fraktionsvorstandes, dem Kotré angehört, wisse man derzeit aber noch nicht. (…) Der AfD-Parteivorstand hatte bereits vor zwei Wochen interveniert, als die Einladung Sellners bekannt wurde. Kotré machte einen Rückzieher. Zumindest formell. Stattdessen wurde nun einfach Sellner Gastgeber der Veranstaltung in Vetschau. Zu der er unter anderem Kotré einlud – die dankend annahm.  Zwar verwies Kotré bei dem Treffen, wie angewiesen, auf das Konzept ihrer Partei. Gleichzeitig aber stimmte sie Sellner in wesentlichen Punkten seiner Definition von Remigration zu. Distanzierung sieht anders aus.

via zdf: AfD-Politikerin trifft Rechtsextremisten : Treffen mit Sellner soll Konsequenzen haben für Kotré

LENA KOTRÉ – AfD-Politikerin sagt Sellner-Auftritt ab – und kündigt neuen gemeinsamen Termin an

Nach öffentlichem Druck aus der AfD-Spitze hat die Brandenburger Landtagsabgeordnete Lena Kotré eine gemeinsame Veranstaltung mit dem rechtsextremen Aktivisten Martin Sellner abgesagt – bewirbt jedoch gleichzeitig einen neuen Termin unter seiner Leitung. Die Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Lena Kotré hat nach Druck der Parteispitze eine eigene geplante Veranstaltung mit dem Rechtsextremisten Martin Sellner abgesagt. Allerdings gibt es einen zeitgleichen neuen Termin unter Leitung Sellners. „Ich habe eine wichtige Information bezüglich der Veranstaltung am 22.01.2026 in Luckenwalde. Diese ist hiermit abgesagt“, schrieb Kotré auf X. „Ich wurde jedoch zwischenzeitlich von Martin Sellner auf seine eigene Veranstaltung in Süd-Brandenburg eingeladen“, schrieb die AfD-Politikerin. „Seine Veranstaltung findet zufällig ebenfalls am Donnerstag, dem 22.01.2026 um 19:00 Uhr statt, wer sich also für meine Veranstaltung Zeit frei genommen hat, hat hier direkt eine Möglichkeit, sowohl mich als auch Herrn Sellner persönlich kennenzulernen.“

via welt: LENA KOTRÉ AfD-Politikerin sagt Sellner-Auftritt ab – und kündigt neuen gemeinsamen Termin an

siehe auch: Parteiinterner Streit um Auftritt Rechtsextremist Sellner spricht in Brandenburg – aber nicht mehr auf AfD-Einladung: Die Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Lena Kotré hat nach Druck der Parteispitze eine eigene geplante Veranstaltung mit dem österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner in Luckenwalde (Teltow-Fläming) abgesagt. Allerdings gibt es einen zeitgleichen neuen Termin unter Leitung Sellners. Sie werde am 22. Januar einer Einladung von Sellner in Süd-Brandenburg folgen, schrieb Kotré beim Onlinedienst X. Veranstalter ist damit nicht mehr die AfD. Sellner sollte in Luckenwalde einen Vortrag über Remigration halten. Der AfD-Bundesvorstand hatte eine Absage der Veranstaltung gefordert. Die Bundes-Parteichefs Alice Weidel, Tino Chrupalla sowie der AfD-Landesvorsitzende René Springer bestätigten der Deutschen Presse-Agentur einen entsprechenden “Welt”-Bericht. Demnach gab es ein Gespräch Chrupallas, Weidels und Springers mit Steffen Kotré. Man gehe nach dem Gespräch davon aus, dass die Veranstaltung nicht stattfinde, sagte Chrupalla der “Welt”. Springer sagte dem rbb auf Anfrage: “Zu diesem Thema ist alles gesagt.”

AfD Brandenburg lädt Martin Sellner ein – Vortragsabend für Verfassungsfeinde

Der AfD-Bundesvorstand hat sich formal vom Rechtsextremisten Sellner distanziert. Die AfD Brandenburg pfeift drauf und lädt ihn nach Luckenwalde ein. Es ist auch ein Mittelfinger gegen den Bundesvorstand und die Parteispitze um Alice Weidel und Tino Chrupalla. Der Bundesvorstand hatte im Juli vergangenen Jahres dezidiert davor gewarnt, den kleinen, österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner zu Veranstaltungen einzuladen. Auch weil das Bundesverwaltungsgericht unlängst in einem Urteil klargestellt hat, dass Sellners Konzept zur „Remigration“ (sprich rassistische Vertreibungspolitik vermeintlich „nicht assimilierter“ Staatsbürger mit Migrationshintergrund) verfassungswidrig ist. Die Familie Kotré dachte sich wohl: Uns egal und jetzt erst recht. Der Brandenburger Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré und die mit ihm verheiratete Brandenburger Landtagsabgeordnete Lena Kotré haben Sellner nach Luckenwalde eingeladen und wollen mit ihm am nächsten Donnerstag einen Vortragsabend veranstalten. Thema im Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten: „Remigration – Theorie und Praxis“. Entsprechend genervt ist man im Bundesvorstand. Offiziell wollten Weidel und Chrupalla sich zwar nicht äußern. Der taz teilte Weidels Sprecher allerdings mit: „Aktuell ist die Landesspitze dabei, sich der Sache anzunehmen“ – man will also Druck ausüben, damit die Veranstaltung wieder abgesagt wird. Der Landesvorsitzende René Springer und die Kotrés antworteten dazu bisher auf taz-Anfrage allerdings nicht. Die AfD Brandenburg, seit ihrer Gründung einer der radikalsten Landesverbände in der ohnehin extrem rechten AfD, hatte schon im vergangenen Jahr gegen den Bundesvorstand in Sachen „Remigration“ und Sellner aufgemuckt. Nach der Empfehlung der Parteispitze, sich von Sellner fernzuhalten, hieß es damals: „Wir machen so weiter wie bisher.“ Und auch Björn Höcke zeigte seinen Mittelfinger, in dem er als Reaktion offensiv mit einem Sellner-Buch posierte und sagte, dass man diesem „Till Eulenspiegel“ nicht in den Rücken fallen dürfe. Offen völkische Gastgeber Die Gastgeber im Wahlkreisbüro sind ebenfalls eingefleischte Rechtsextremisten: Steffen Kotré tritt immer wieder als Putin-Marionette im russischen (und deutschen) Fernsehen auf, und Lena Kotré träumt von einer privaten Abschiebeindustrie, will Flüchtlinge von öffentlichen Veranstaltungen ausschließen und verteilte Nahkampfwaffen als Wahlkampfgeschenke. Enge Verbindungen zu militanteren Rechtsextremen sind bei beiden keine Neuigkeit

via taz: AfD Brandenburg lädt Martin Sellner ein Vortragsabend für Verfassungsfeinde

AfD-Landesverband prüft Vorwürfe – Sitzt im AfD-Kreisvorstand Konstanz ein Mitglied der rechtsextremen Identitären Bewegung?

Die AfD im Kreis Konstanz hat offenbar einen mutmaßlichen Aktivisten der Identitären Bewegung in den Vorstand gewählt. Der Landesverband prüft nun einen möglichen Parteiausschluss. Die AfD im Landkreis Konstanz hat offenbar einen Aktivisten der Identitären Bewegung aufgenommen. Der Kreisverband wählte ihn in seinen Vorstand. Doch weil die rechtsextreme Gruppierung auf der Unvereinbarkeitsliste der Partei steht, prüft der Landesverband nach einer SWR-Anfrage jetzt den Vorgang. Im Jahr 2018 hat die AfD eine Liste mit Organisationen erstellt, die sie für problematisch hält. Wer für diese Parteien, Vereine und Bewegungen aktiv ist oder war, darf nicht Mitglied der AfD werden. Der damalige Parteichef Jörg Meuthen wollte so die drohende Beobachtung durch den Verfassungsschutz abwenden. Auf der mehrfach überarbeiteten Liste steht seit ihrer ersten Fassung die sogenannte Identitäre Bewegung (IB). Diese wird vom Verfassungsschutz auf Bundesebene und auch in Baden-Württemberg als rechtsextrem bezeichnet. Identitäre Bewegung: AfD-Kreisvorstand mit bekanntem Aktivisten Mitte Dezember vergangenen Jahres wählte der AfD-Kreisverband Konstanz einen Mann namens Dominik Böhler als Beisitzer in den Vorstand und meldete dies auf seiner Webseite. Das Bündnis Konstanz für Demokratie berichtete in einer Pressemitteilung über die Wahl und prangerte an, dass die AfD durch diese Wahl “weiter nach rechts” rücke. Denn bei Dominik Böhler handle es sich um einen einschlägig bekannten Aktivisten der Identitären Bewegung.

via swr: AfD-Landesverband prüft Vorwürfe Sitzt im AfD-Kreisvorstand Konstanz ein Mitglied der rechtsextremen Identitären Bewegung?

Werbung für rechte Verlage – AfD-Politiker empfiehlt völkische Kinderbücher

„Grimbart“ und „klein&ehrlich“: So heißen zwei Verlage, deren Kinderbücher der AfD-Bundestagsabgeordnete Christoph Grimm vor Weihnachten auf Facebook empfahl. Die harmlos daherkommenden Verlage sind Teil des Netzwerks der Identitären Bewegung. Über Bücher sollen Kinder und Familien an rechtsextreme und völkische Ideologie herangeführt werden, sagen Experten. Die Bewerbung solcher Publikationen sei vor dem Hintergrund vermehrter Radikalisierung „brandgefährlich“. Wie ein Märchenonkel präsentiert sich AfD-Bundestagsmitglied Christoph Grimm aus Nordwestmecklenburg vor Weihnachten auf seinem Facebook-Account. Überall beginne „das Leuchten in den Augen der Kinder“, erzählt er mit weicher Stimme aus einem Ohrensessel heraus. Im Hintergrund liegt eine Weihnachtsmütze. Er wolle, sagt der 68-Jährige in dem Beitrag, „Familien unter die Arme greifen“. Zu diesem Zweck verschenke er Kinderbücher zweier Verlage im Gesamtwert von 800 Euro. Mit Wohltätigkeit rund um Weihnachten liegt Grimm im Trend. Zu keiner anderen Zeit im Jahr wird so viel gespendet wie im Dezember.2 Doch der Politiker, der vergangenen Februar per Direktmandat in den Bundestag einzog,3 bewirbt mit der Spendenaktion rechte Verlage. Die Kinderbücher und Comics, die der Bundestagsabgeordnete verschenkt, wirken harmlos, sind es aber nicht. Zwar seien sie nicht „offen rechts(extrem)“, in ihnen würden jedoch mittels Symbolen und Codes, kindgerechten Erzählungen und Bildern auf subtile Weise „rechtsextreme, nationalistische, völkische Ideologien und Werte“ vermittelt, sagt Stefan Kollasch, Leiter des Regionalzentrums für demokratische Kultur Westmecklenburg. So werde etwa in einem der Bücher, das die Geschichte um den Ritter Gottfried von Bouillon erzählt, nicht nur ein fragwürdiger positiver Bezug zu Kreuzzügen hergestellt. Auch der Ausspruch „Deus vult“ („Gott will es“) findet sich im Buch. Dabei handelt es sich laut Kollasch heutzutage „um einen Leitspruch der religiösen (evangelikalen) extremen Rechten in den USA“.4 Die Publikation stammt aus dem Verlag klein&ehrlich. Doch auch Grimbart Studio, von dem die Comics in Grimms Auswahl stammen, wirft Fragen auf. Das Netzwerk der Rechtsextremen Hinter Grimbart steht der bekannte Rechtsextremist und Führungskader der Identitären Bewegung Deutschland, Alexander „Malenki“ Kleine. Der Unternehmer betreibt die Firma Tannwald Media und erlangte in der Vergangenheit durch den neurechten Youtube-Kanal Laut gedacht Bekanntheit. Tannwald war unter anderem für die KI-generierte Werbung der AfD im Bundestagswahlkampf 2025 zuständig.5 Zuletzt sicherte sich Kleine die Wort- und Bildmarkenrechte an Grimbart Studio, dem Internet-Pflanzenversand Weidenvolk und dem neurechten Content-Creator Wilhelm Kachel.6 Aufkleber dieser Marke werden über den Onlineshop Patria Laden verkauft. Er wird von dem Identitären und Ex-NPDler Torsten Görke7 betrieben, wie ein Blick ins Impressum der Website verrät. Hier schließt sich der Kreis zu dem zweiten Verlag klein&ehrlich. Dessen Bücher werden ebenfalls über Görkes Onlineversandhandel vertrieben.8 Dort sind auch Merchandise-Artikel der AfD zu finden. Geschäftsführerin von klein&ehrlich ist Claudia Maria Schlegl,9 die auch Bücher unter dem Pseudonym „B.A. Robin“ veröffentlicht.10 Ein Foto zeigt die Unternehmerin 2022 unter anderem mit Daniel Fiß im thüringischen Schnellroda, einem Treffpunkt der Neuen Rechten.11 Fiß selbst war ebenfalls Führungskader der Identitären Bewegung und hat eine Neonazi-Vergangenheit. Seit Dezember 2024 arbeitet der selbsternannte Politikanalyst und Grafiker12 als persönlicher Referent für den rechtsextremen AfD-Landtagsabgeordneten Nikolaus Kramer.13 Anfang November letzten Jahres war klein&ehrlich zudem auf der rechtsextremen Buchmesse SeitenWechsel in Halle vertreten.

via katapult MV: Werbung für rechte Verlage AfD-Politiker empfiehlt völkische Kinderbücher

Feminismus von Rechts? Über die Masche von #Lukreta – #noIB

Unter feministischem Deckmantel: Wie die identitäre Frauengruppe Lukreta Frauenrechte für völkische Agenda und rechte Mobilisierung nutzt. (…) Sie hebt hervor: „Eins bleibt klar, wir sind Mädchen, Frauen und Mütter und wir lassen uns unsere naturgegebene Identität und unseren Stolz nicht durch geisteskranke und bösartige Ideologien von Feminismus und Wokeness nehmen.“ Tosender Beifall. Von mehrheitlich rechten Männern. Die oben zitierten Worte stammen von Julia Gehrckens, die als 3. Beisitzerin für die „Generation Deutschland“ gewählt wurde. Instagram 2025. Eine andere junge Frau spricht in einem Video von einer Gruppenvergewaltigung in Heinsberg. Die Angeklagten sind Geflüchtete aus Syrien. Sie fragt, was das Problem sein könnte. Das Wort Syrer wird oben rechts im Video eingeblendet. Dann fragt sie: „Oder vielleicht Menschen mit Autos?“ Diesmal wird ein Auto eingeblendet und am Steuer ein Emoji von einem Mann of Colour. Das Video stammt von einer Aktivistin, die sich „Isi“ nennt. Sie nutzt die sozialen Netzwerke, um ihre rechten und traditionellen „Werte“ zu verbreiten. Sie stellt rassistisch einen Zusammenhang von der Deliktart mit einer ganzen Bevölkerungsgruppe her, obwohl das kriminologisch gesehen unhaltbar ist. Die beiden Frauen eint ihre Mitgliedschaft bei Lukreta, einer extrem rechten Frauengruppe. Was ist das für eine Organisation, die nun in herausgehobener Funktion im Vorstand der AfD-Jugendorganisation vertreten ist? Und wer steckt genau dahinter? (…) Laut eigenen Angaben ist die Astronomin Caroline Lucretia Herschel ihre Namenspatronin. Sie sei schließlich keine Quotenfrau gewesen. Doch laut der Professorin für Politik und Geschlechterverhältnisse Annette Henninger könne Lukreta auch nach der antiken Figur Lucretia benannt worden sein. Diese rächte sich angeblich für eine Vergewaltigung. Reinhild Boßdorf, Tochter der AfD-Europaabgeordneten Irmhild Boßdorf, gründete 2019 die Frauengruppe Lukreta. Zuvor war sie in der Identitären Bewegung (IB) und bei der Jungen Alternative (JA) aktiv. Sie nutze ihre Kontakte in diesen Kreisen, um mehr Mitstreiterinnen zu finden. Unterstützung erhielt sie von der AfDlerin Manuela Pluta und der JAlerin Mary Khan. Lukreta gilt als Nachfolgeorganisation der Frauengruppierung 120Db der IB und gehört somit zum Vorfeld-Netzwerk. Laut Recherchen von Correctiv initiierte Boßdorf die Kampagne „Frauen wehrt Euch – 120 Dezibel“. Die Kampagne war ein als rechter MeToo inszenierter Aufschrei gegen sexualisierte Gewalt aufgrund der „Massenmigration“. Doch Männer aus der IB stampften sie ein. Danach gründete Boßdorf Lukreta. Es handelt sich keineswegs um eine große Organisation, sondern eher um einen eingeschworenen Zirkel von deutlich rechtsextremen Aktivistinnen aus dem IB-Spektrum. Die Gruppe war auch auf dem Marsch des Lebens in Berlin im Oktober. Ethnosexismus Henninger sieht in der Kampagne 120 Dezibel ein Paradebeispiel für Ethnosexismus. Kulturwissenschaftlerin Gabriele Dietze kategorisiert mit diesem Begriff eine spezifische Form des Sexismus. Henninger und Leidinger beschreiben Ethnosexismus als eine Verschränkung von Rassismus und Sexismus. Dabei werde beispielsweise sexualisierte Gewalt ethnisch oder religiös „Anderen“ zugeschrieben. Die eigene Gesellschaft sei danach bereits gleichberechtigt. Dadurch werde Sexismus externalisiert und rassistische Positionen legitimiert. Diese Argumentationsweise nutzen viele Rechte. Leidinger betont, dass es feministisch sei, über sexualisierte Gewalt öffentlich zu sprechen. Allerdings habe die feministische Bewegung historisch Gewalt im sozialen Nahraum skandalisiert. Lukreta hingegen schaut, „wenn die Gruppe nicht gerade über Morde an Frauen durch migrantifizierte oder PoC-(Ex)-Partner spricht, exklusiv auf den sogenannten ‚fremden‘ Täter im öffentlichen Raum.“

via taz: Feminismus von Rechts? Über die Masche von Lukreta