In Sachsen-Anhalt arbeitet die AfD an einer Romantik-Doktrin. Das Novalis-Zentrum in Oberwiederstedt wehrt sich gegen eine völkische Vereinnahmung. Die AfD in Sachsen-Anhalt bastelt an ihrer kulturpolitischen Ideologie. Dabei greift sie tief hinein in die reiche Geistesgeschichte des Bundeslandes und entdeckt dabei, dass die Romantik, die maßgeblich in Novalis’ Geburtsort, dem kleinen Oberwiederstedt, ihren Ursprung hat, für populistische Strategien bestens geeignet ist. Denn welcher anhaltische AfD-Biedermann hätte etwas gegen die deutsche Romantik einzuwenden? So mancher Vertreter des völkischen Flügels hat sich bereits werbewirksam eine blaue Kornblume ans Revers gesteckt. Schließlich präsentierte Chef-Ideologe Hans-Thomas Tillschneider vor ein paar Jahren im Magdeburger Landtag die Versatzstücke für eine völkische Romantik-Doktrin: „In der deutschen Romantik finden wir Deutschen zu uns selbst. Die deutsche Romantik ist die Entdeckung des Volksgeistes und die Entdeckung der Nationalkultur, was erklärt, weshalb sie an Schulen und Universitäten heute kaum noch eine Rolle spielt. Umso wichtiger sind Institutionen außerhalb des staatlichen Bildungsbetriebes, die sich der Romantik annehmen.“ Diese vermeintliche Leerstelle gedenkt die AfD jetzt, nach dem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, zu füllen. Deswegen versteht Tillschneider die AfD als „Partei der Romantik“, denn die Romantiker hätten den „Nationalgedanken gefördert und durchdacht“. Doch die von ihm geforderte „Institution außerhalb des staatlichen Bildungsbetriebs“ gibt es bereits seit 34 Jahren: Das Schloss Oberwiederstedt, in dem der frühromantische Dichter und Philosoph Friedrich von Hardenberg, der sich selbst Novalis nannte, zur Welt kam. Heute befindet sich hier das Novalis-Museum, die Internationale Novalis Gesellschaft, die Forschungsstätte für Frühromantik und die Novalis Stiftung „Wege wagen mit Novalis“. Man fragt sich: Was will Hans-Thomas Tillschneider mehr?
via taz: AfD-Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt Mit der Kornblume am Revers
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