Im Magazin „Fiume“ errichten Rechte eine Gegenwelt zur Hochkultur. Sie erzählt vom Märchen einer weißen „Reinkultur“ und orientiert sich am rechtsradikalen Intellektualismus der USA. Hochkultur war immer schon ein Bollwerk gegen die Massen. Das Magazin Fiume verkauft sich als genau so eine Festung gegen den herrschenden Popismus des Bürgertums, dem selbst die Feuilletons (auch dieses) gefolgt sind, die irgendwann in den 90er-Jahren Rockmusik, Hollywoodfilme und Fernsehserien so ernst nahmen wie Gesamtausgaben groß (…) Fiume erscheint im Dreimonatstakt im rechten Castrum-Verlag in Wien und nennt sich „Magazin für Reinkultur“. Das Layout steht schon mal dafür – reine Textseiten flankiert von ganzseitigen Symbolbildern, anzeigenfrei, ästhetisch streng auf schwerem Papier, durchaus der Traum traditioneller Feuilletonisten. Die jüngste, zweite Ausgabe zeigt den amerikanischen Essayisten Curtis Yarvin auf dem Cover, der ganz in diesem Geist unter dem Pseudonym Mencius Moldbug über die vergangenen Jahre jene antiaufklärerische Ideologie zusammengezimmert hat, die sich „Dark Enlightenment“ (dunkle Aufklärung) nennt und prominente Anhänger wie J. D. Vance, Peter Thiel und Elon Musk fand. Man könnte sich leicht lustig machen über den gestelzten Gestus des Projekts „Democracy Over – Novus Ordo Seclorum“ prangt da als Titelzeile über einem Porträt, auf dem Yarvin mit Pilotenbrille und schulterlangem Haar wie einer dieser Rockstars aussieht, die in den Siebzigerjahren die Gitarrenverstärker hoch- und den Hippiegeist runtergefahren haben. Im Blatt erklärt er dann, wie so oft zuvor, die Demokratie zum Anachronismus. Die beiden anderen Titelgeschichten sind ein von der Lust am Faustrecht triefendes Essay über Donald Trump vom AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah und ein Interview mit Benjamin Netanjahus jüngstem Bruder Iddo zur Lage im Nahen Osten. Die Themen stecken schon mal die intellektuellen Parameter ab, die Fiume vertritt. Trumpismus und Netanjahus Politik gehören da zu einer rechten Internationalen. Dazu kommt der Titel, der keineswegs nur „der Fluss“ bedeutet– er beschwört auch die unabhängige Republik Fiume, die anarchische Vision eines Vielvölkerstaats ohne viele Institutionen, die der präfaschistische italienische Dichter Gabriele D’Annunzio nach dem Ersten Weltkrieg in jener Hafenstadt etablierte, die damals noch Fiume und seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Teil Jugoslawiens Rijeka hieß.
via sz: Postfaschistisches Feuilleton
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