Eine Bildanalyse von Andreas Borcholte Erst sagen die Musik-Acts ab, dann bleiben die Menschen fern: Die große Schau zum 250. Geburtstag der USA macht nicht mal Trump-nahen Medien Freude. Die Amerikaner feiern anderswo. Und der US-Präsident? Schmollt. Zu den vielen unangenehmen Wahrheiten dieser Tage gesellt sich eine weitere, fundamental erschütternde: US-Präsident Donald Trump, der einst gewählt wurde, weil er den frustrierten Massen Gehör geschenkt und dieses Gespür folgenreich in Populismus verwandelt hat, genau dieser Trump ist nun offenbar in jener Abenddämmerung seiner Amtszeit angekommen, die in ähnlicher Form auch seinem direkten Vorgänger Joe Biden zum Verhängnis wurde: Anscheinend traut sich niemand in seiner näheren Umgebung noch, ihm die Wahrheit über die Ereignisse, Stimmungen und Gefühle draußen im Land mitzuteilen. Anders ist ein Wutausbruch Trumps auf Truth Social am Montag nicht zu erklären, in dem der Präsident sich darüber beklagt, dass niemand seine groß angelegten State Fair auf der National Mall in der US-Hauptstadt Washington D.C. zu schätzen weiß. Selbst dem Trump in Treue zugeneigten TV-Sender Fox News gelang es nicht, die zu beinahe jeder Tageszeit gähnende Leere auf dem Rasen zwischen den Bundesstaaten-Büdchen der Landesschau zu verbergen. Auch wenn sich die Reporter redlich bemühten, die Ödnis mit Verweisen auf frühe Tageszeiten schönzureden. Die Warteschlange vor dem Riesenrad, auf die ein Fox-Reporter hinwies, um zu zeigen, dass die Massen angeblich doch strömten, war wahrscheinlich gerade nur deshalb so lang, weil mal wieder der Stromgenerator ausgefallen war, wie schon am vergangenen Wochenende mehrfach. Besser kann man die Rhythmusstörungen der Feiern zum 250. Geburtstag der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung nicht versinnbildlichen. Trump aber schmollt und wendet sich auf Truth Social an sein vermeintlich undankbares Volk: »Glauben Sie, dass die Leute zu schätzen wissen, was für eine fantastische Leistung wir beim Aufbau und Betrieb der Great American State Fair auf der National Mall vollbracht haben – voller glücklicher Menschen, und alle waren begeistert?«. Viele begeisterte Menschen waren zwar bisher nicht zu sehen, trotzdem setzt Trump seinen Rant in Versalien fort: »GLAUBEN SIE, DASS OBAMA ODER DER SCHLÄFRIGE JOE BIDEN DAS HÄTTEN SCHAFFEN KÖNNEN? DIE ANTWORT LAUTET: NEIN!« Nun ja, doch. (…) Heute gibt sich kein PR-Team mehr allzu große Mühe, das Ausbleiben der Menschen bei Trumps narzisstischen Spektakeln mit Falschbehauptungen zu kaschieren. Der fadenscheinige, aus Populismus, Hass und Popanz aufpolierte Glanz seiner Regierungszeit blättert gerade so rapide ab wie die vermutlich billig aufgetragene blaue Farbe vom Boden des Reflecting Pools an der National Mall. Vielleicht merken die Menschen anlässlich der 250-Jahr-Feier ihrer Demokratie ja, dass sie einem Schwindler und Manipulator aufgesessen sind, dem es vor allem um sich selbst geht. Er selbst merkt offenbar schon länger gar nichts mehr.
via spiegel: Diese traurige Party kann selbst Fox News nicht mehr schönreden
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