Am Freitag beginnt vor dem Oberlandesgericht Dresden der Prozess gegen acht junge Rechtsextremisten – darunter drei AfD-Mitglieder. Ihnen wird die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Unter den Angeklagten ist Kurt Hättasch, ein lokaler AfD-Politiker aus Grimma, gegen den zusätzlich wegen versuchten Mordes ermittelt wird. Der Fall ist politisch heikel für die AfD, gegen die ein Verbotsverfahren diskutiert wird. Die acht Beschuldigten sind zwischen 22 und 26 Jahre alt. Hättasch war im Herbst 2024 in den Stadtrat gewählt worden und fungierte als Fraktionschef der AfD in Grimma, Vorstandsmitglied im Kreisverband und Schatzmeister der Jungen Alternative Sachsen. Er arbeitete zudem für den sächsischen AfD-Landtagsabgeordneten Alexander Wiesner. Am 5. November 2024 wurde Hättasch um sechs Uhr morgens in seinem Haus nahe Grimma festgenommen – dabei schoss ihm ein Polizist in den Kiefer. Die Ermittlungen gegen den Beamten wurden vor einem Jahr eingestellt, das Vorgehen als Notwehr gewertet. Die Gruppe und ihre Ziele Die «Sächsischen Separatisten» wurden laut Anklage im Februar 2020 gegründet und zählen rund 20 Mitglieder. Rädelsführer soll der 25-jährige Jörg S. aus Brandis sein, der die Gruppe aufgebaut und Trainings sowie Kommunikation geleitet haben soll. Die Vereinigung wird von der Bundesanwaltschaft als rassistisch und antisemitisch eingestuft, mit einer «tiefen Ablehnung» der Demokratie. Die Mitglieder sollen an einen bevorstehenden «Zusammenbruch» Deutschlands geglaubt haben. Nach den Vorwürfen plante die Gruppe, bei einem Kollaps große Gebiete Sachsens zu erobern und einen NS-ähnlichen Staat zu errichten. Sie trainierte dafür in Wäldern und auf einem verlassenen Flugplatz nahe Brandis, übte Haus-zu-Haus-Kampf und Waffenhandhabung.

via upday: Terrorprozess gegen AfD-Stadtrat Kurt Hättasch beginnt morgen wegen NS-Staat-Plänen

siehe auch: Prozess gegen »Sächsische Separatisten« Sehnsucht nach dem »Tag X« Sie nannten sich »Sächsische Separatisten« und träumten von einem nationalsozialistischen Staat: Nun stehen acht Rechtsextreme vor Gericht. Unter ihnen sind ehemalige AfD-Politiker und entlassene Bundeswehrsoldaten. Im Morgengrauen umstellen Einsatzkräfte der Spezialeinheit GSG 9 ein Haus am Stadtrand von Grimma, 25 Kilometer von Leipzig entfernt. Als Kurt Hättasch auf den Hof tritt, rufen sie: »Hände nach oben!« Hättasch geht zurück ins Haus und wählt den Notruf: es seien Unbefugte auf seinem Grundstück. Aus dem Waffenschrank nimmt er ein Gewehr, lädt es mit fünf Patronen und stellt sich ans Fenster. Minuten später stürmt er aus der Hintertür, rennt auf den Acker hinter dem Grundstück, auf dem vier Polizisten stehen. Hättasch geht auf sie zu, die Waffe schräg vor sich, den Lauf nach unten gerichtet. »Polizei!«, ruft einer der Beamten. »Stehen bleiben und die Hände nach oben!« Hättasch geht weiter, ruft zurück: »Ihr weist euch jetzt aus!« Dann hebt er das Gewehr, zielt auf einen der Polizisten. Daraufhin schießt der zweimal, trifft Hättasch an Hals und Schulter und verletzt ihn schwer. So haben Ermittler des Bundeskriminalamts und der Bundesanwaltschaft den Zugriff am 5. November 2024 rekonstruiert. Heimliche Pläne Kurt Hättasch saß damals für die AfD im Stadtrat von Grimma und war Schatzmeister der AfD-Jugendorganisation in Sachsen. Nebenbei soll er heimliche Pläne für einen nationalsozialistischen Staat geschmiedet haben, der den Ermittlungen zufolge in weiten Teilen Sachsens ausgerufen werden sollte. Demnach gehörte der heute 26-Jährige einer militanten Gruppe namens »Sächsische Separatisten« an. Gemeinsam mit Gleichgesinnten soll er den »Tag X« herbeigesehnt haben, den Kollaps des gesellschaftlichen und politischen Systems der Bundesrepublik. Staat im Staat Am Freitag beginnt am Oberlandesgericht Dresden der Prozess gegen Hättasch und sieben weitere Angeklagte, 22 bis 25 Jahre alt. Der Generalbundesanwalt wirft ihnen die Bildung einer terroristischen Vereinigung und die Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens gegen den Bund vor. Es ist ein besonderer Fall. Anders als die mutmaßlichen Reichsbürger der »Gruppe Reuß«, die aktuell in München, Stuttgart und Frankfurt am Main vor Gericht stehen, sollen die »Sächsischen Separatisten« laut Anklage keine Erstürmung des Bundestags geplant haben, sondern einen eigenen Staat. Mit Waffengewalt sollten demnach Gebiete Sachsens besetzt und abgespalten werden.

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