Die Staatsanwaltschaft in Augsburg ermittelt nach Medienberichten gegen Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen wegen des Verdachts auf Folter. Nun erhebt auch eine ehemalige Gefängnisärztin Vorwürfe. Die Vorwürfe gegen mehrere Bedienstete der Justizvollzugsanstalt (JVA) Augsburg-Gablingen weiten sich aus. Nachdem durch Medienberichte bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft Augsburg wegen gravierender Vorwürfe möglicher Häftlingsmisshandlung ermittelt, erhebt nun auch eine ehemalige Gefängnisärztin Vorwürfe gegen die JVA Augsburg-Gablingen. Bei den Ermittlungen geht es um den Anfangsverdacht der Körperverletzung im Amt. Einzelne Gefangene sollen möglicherweise unbekleidet in einem »besonders gesicherten Haftraum ohne gefährdende Gegenstände« untergebracht worden sein, ohne dass besondere Voraussetzungen für diese Maßnahme vorlagen, wie der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft mitteilte. Zudem geht die Anklagebehörde Vorwürfen nach, wonach es zu tätlichen Übergriffen einzelner Beschäftigter auf Gefangene gekommen sein soll. Zuvor berichteten »Augsburger Allgemeine« und Bayerischer Rundfunk. Anzeige erstattet hat laut Bayerischem Rundfunk unter anderem eine Augsburger Rechtsanwältin. Die Juristin berichtete über die Erfahrungen eines ihrer Mandanten in der JVA: »Loch im Boden, wo er seine Geschäfte verrichten muss«, sagte die Verteidigerin. Auch eine zeitweilig in dem Gefängnis tätige Ärztin sprach mit dem Sender und berichtete, sie habe in dem besonders gesicherten Haftraum 80 Prozent der Häftlinge ohne Unterhose, ohne Matratze und ohne Decke erlebt.
siehe auch: “Folter” von Häftlingen? Ermittlungen gegen JVA Gablingen Nackt eingesperrt, nur ein Glas Wasser pro Tag: Eine Anwältin beklagt untragbare Einzelhaft von zweien ihrer Mandanten in der JVA Gablingen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Bayerns Justizminister fordert rückhaltlose Aufklärung. Eine Anwältin erhebt schwere Vorwürfe gegen die JVA Gablingen. Konkret geht es um zwei ihrer Mandanten, die in sogenannten “Besonders gesicherten Hafträumen” (BgH) eingesperrt worden seien. Eigentlich werden in solchen Räumen nur suizidale oder psychisch kranke Häftlinge untergebracht. Dies treffe auf ihre Mandanten jedoch nicht zu. Dennoch seien sie nackt und in Einzelhaft in diesen Zellen untergebracht worden. Nicht einmal die sonst üblichen Papierunterhosen hätten sie bekommen. Auch eine Matratze, die es normalerweise in den Einzelzellen gibt, hätten sie nicht erhalten. Stattdessen hätten sie auf dem Betonboden liegen müssen. Einer ihrer zwei Mandanten hätte erst auf mehrmaliges Bitten hin eine dünne Matratze ohne Bettzeug bekommen. 24 Stunden Dunkelheit? Die beiden Häftlinge hätten keine warmen Mahlzeiten erhalten, sondern lediglich eine Scheibe Brot und ein paar Scheiben Wurst dazu. Das Licht sei in den Einzelzellen 24 Stunden aus gewesen. “Das ist Folter, so kommen sie nie zur Ruhe. Meine Mandanten wussten nicht mehr, ob es Früh, Mittag oder Abend ist”, so die Anwältin weiter. Einer der beiden Männer habe sogar nur ein einziges Glas Wasser am Tag bekommen. Zusätzlich sei es in der Zelle übermäßig heiß gewesen, “gefühlt 40 Grad und keine frische Luft”. Laut einer früheren Anstaltsärztin, mit der die Anwältin in engem Austausch ist, wurden Häftlinge mehr als 72 Stunden in den BgH-Zellen untergebracht, häufig entgegen dem ärztlichen Rat. Die Anstaltsärztin habe daraufhin ihre Stelle gekündigt, da sie “es nicht mehr ertragen konnte”, so die Anwältin. Anwältin: Folterkommission besuchte JVA mehrmals Interne Quellen hätten der Anwältin berichtet, dass die sogenannte Folterkommission mehrmals in der JVA gewesen sei. Da die Besuche jedoch vorher angekündigt wurden, seien die Missstände vorher beseitigt worden. Laut der “Nationalen Stelle zur Verhütung von Folter” war die Kommission zuletzt am 9. August in Gablingen; Gefangene misshandelt? Ermittlungen gegen JVA-Leiterin. (…) Im Zentrum des Ermittlungsverfahrens steht die stellvertretende Leiterin der Justizvollzugsanstalt. Ihr wird vorgeworfen, die Misshandlungen möglicherweise angeordnet zu haben. Sprecher Dobler erläuterte weiter: “Es besteht der Anfangsverdacht, dass einzelne Gefangene möglicherweise unbekleidet in einem besonders gesicherten Haftraum untergebracht worden sein sollen, ohne dass die besonderen Voraussetzungen für diese Maßnahme vorlagen.”

Von Tobias “ToMar” Maier – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link
1 Comment
Foltervorwurf gegen JVA: Ministerium seit einem Jahr informiert – dokmz · October 29, 2024 at 9:51 pm
[…] dazu auch: Justizvollzugsanstalt #AugsburgGablingen – Keine Unterhosen, Decken und Matratzen: Auch #Gefängni… Die Staatsanwaltschaft in Augsburg ermittelt nach Medienberichten gegen Mitarbeiter der […]
Comments are closed.