Wir haben sie gefragt, was sie über die gewaltsame Niederschlagung von Protesten und die Verschleppung Oppositioneller denken. Auch Diktatoren wollen geliebt werden. Vielleicht sogar gerade sie. In jedem Fall möchten sie, dass das Land, das sie unterdrücken, international in gutem Licht erscheint, dass es gute Verbindungen in die Welt unterhält und im Ausland gut vertreten wird. Unter anderem dafür gibt es Honorarkonsuln, die ernannt werden, um ein Land ehrenamtlich zu vertreten. Honorarkonsuln arbeiten parallel zu offiziellen Botschaftern. Sie repräsentieren eigentlich ein Land und nicht einen Politiker oder eine Regierung. Im Falle autokratischer Regime und Diktaturen kann man den Unterdrücker an der Spitze aber schwerlich getrennt sehen vom Land, das er beherrscht. Auch Belarus hält sich Honorarkonsuln in Deutschland. Belarus, das ist der Staat, der seit Jahren unter dem Diktator Alexander Lukaschenko leidet. Seit einigen Monaten tritt er besonders unterdrückerisch auf. Seit der manipulierten Parlamentswahl Anfang August gibt es Massenproteste in Belarus, die Lukaschenko brutal niederschlägt. Er lässt Oppositionelle auf offener Straße verschleppen, in Demonstrationszüge schießen und Gefangene foltern. Seit Pfingstsonntag ist Lukaschenko nun auch Luftpirat. Da zwang er ein Ryanair-Flugzeug, das auf dem Weg von Athen nach Vilnius war, unter einem Vorwand in Minsk notzulanden, um dort den regimekritischen Journalisten Roman Protasewitsch festnehmen zu lassen, der im Flieger gesessen hatte. Europa rückt ab vom Diktator. An seiner Seite bleibt eine Handvoll Verbündeter, die Belarus in Europa vertreten und gut vernetzt sind in Politik und Wirtschaft. Belarus hat gleich vier Honorarkonsuln in Deutschland. René M. Schröder in Hamburg, Frank Kossick in Cottbus, Markus Burtscher in Würzburg und Steffen Göpel in Leipzig. Honorarkonsuln arbeiten ehrenamtlich. Das Amt wird also nicht vergütet. Ehre, Ansehen und gute Kontakte sind eher der Anreiz. Auch deswegen sind es meistens Unternehmer, die ein Interesse daran haben, diesen Titel zu tragen. Sie sammeln internationale Kontakte und exklusive Zugänge zur Wirtschaft des Landes, das sie als Honorarkonsul vertreten. (…) Steffen Göpel ist in jedem Fall eine illustre Persönlichkeit. Er ist nicht nur dicke mit FDP-Chef Christian Lindner und Leipzigs SPD-Bürgermeister Burkhard Jung, sondern vor allem Immobilienunternehmer. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf der Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude. Luxussanierung zum Beispiel. Göpel pflegt Kontakte in höchste High-Society Kreise. Er war mal selbst Promi. Kurz vor dem Ende der DDR war er gefeierter Rennfahrer und wurde letzter Meister in der leistungsstärksten Wagenklasse E 1300 cm³ LK 1. Nach der Wende stieg er ins Immobiliengeschäft ein. (…) Als wir ihn fragen, wie er zum Umgang des Regimes mit den Protesten und der Verhaftung des Bloggers Roman Protasewitsch steht, antwortet Göpel, dass er “nicht die Politik und auch nicht die Regierung des Landes” vertrete. “Ich bin nicht für politische Fragen zuständig. Ansprechpartner für politische Fragen und Themen ist die Botschaft der Republik Belarus in Berlin.” Wir fragen ihn außerdem, ob er Reisen nach Belarus unternommen und wer diese bezahlt habe, ob er dabei Politiker getroffen habe oder Vertreter der Opposition oder Zivilgesellschaft. Auf diese Fragen antwortet Göpel nicht.
via vice: Diese vier Deutschen vertreten den belarussischen Diktator in Deutschland