Julian Reichelts Ära als Chefredakteur der »Bild« fand am Montagabend ihr seit Monaten überfälliges Ende. Neue Erkenntnisse hätten dazu geführt, dass der Axel Springer Verlag Julian Reichelt von seinen Aufgaben »entbindet«. Alphatier Reichelt stolpert jetzt über seinen fragwürdigen Umgang mit Mitarbeiterinnen, zu denen er nicht nur sexuelle Verhältnisse unterhielt, sondern die er auch mit Jobs und Verantwortung belohnte oder die er mit Entlassung abstrafte, so sie ihm denn nicht gefügig waren (…) Im Artikel des Autors Ben Smith geht es nicht nur um Reichelt, der seine Scheidungsurkunde gefälscht haben soll, um im Complianceverfahren nicht negativ aufzufallen. Wichtiger noch ist eine Recherche, die eigentlich in Deutschland hätte erscheinen sollen. Ein Team von drei Journalist*innen, die ehemals für den Onlinenachrichtendienst »BuzzFeed« tätig waren und an dessen Spitze Juliane Löffler steht, hatte seit Monaten recherchiert, wie im Hause Axel Springer mit den Vorwürfen gegen »Bild«-Chefredakteur Reichelt umgegangen wurde. Reichelt war im März 2021 vorgeworfen worden, übergriffig insbesondere gegenüber jüngeren Mitarbeiterinnen gewesen zu sein. Von Machtmissbrauch und der Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen war ebenso die Rede wie von Drogenkonsum am Arbeitsplatz. Zwar seien die Reichelt ebenfalls vorgeworfenen sexuellen Beziehungen einvernehmlich gewesen, jedoch fragwürdig, da er seine damalige Geschäftsführerposition dazu nutzte, Frauen, zu denen er sexuelle Beziehungen unterhielt, im Unternehmen mit Karrieren auszustatten. »Der Spiegel« titelte »Vögeln, fördern, feuern« und beschrieb Reichelts Verfehlungen. (…) Auch der »Spiegel« blieb am Thema, sprach mit betroffenen Frauen, die überwiegend eingeschüchtert waren und Angst vor Reichelts Rache hatten, der in internen Mails bereits Drohungen ausgesprochen hatte. Er wolle sich »gegen die wehren, die mich vernichten wollen, weil ihnen Bild und alles wofür wir stehen, nicht gefällt«, zitiert der »Spiegel«. Die Recherchen zeigen eine männlich und sexistisch geprägte Kultur innerhalb der »Bild«-Redaktion. Junge Frauen saßen demnach als Dekoration in Besprechungen und seien stets Reichelts Nachstellungen ausgesetzt gewesen. Wen er anziehend fand, belohnte er mit verantwortungsvollen Aufgaben, die oft auch oberhalb dessen lagen, was die Frauen eigentlich leisten wollten. Ein Verhalten, das »Bild«-intern nicht nur bekannt war, sondern wohl über Jahre geduldet wurde. Reichelt als triebgesteuertes Alphamännchen.
Militanter Islamismus in Berlin – Verstreut, aber gefährlich
Die militant islamistische Szene in Berlin gilt als versprengt. IS-Propaganda ist aber weiter wirkmächtig und gefährlich, wie der CSD-Anschlag zeigt. Aus heutiger Sicht klingt es schmerzlich akkurat, was die Berliner Innenverwaltung im „Islamismus-Monitor“ schreibt, den Read more