Das Jugendzentrum, Vereine oder der Medien-Workshop an der Schule brauchen Fördermittel und dafür Eigenanteile der Kommunen. Projekte für Demokratie und Kultur hängen darum an Beschlüssen der Stadträte. Doch CDU und AfD lehnen mancherorts gemeinsam die Mittelvergaben ab. Auch Monate danach ist Annegret Junger noch enttäuscht. Die 18-Jährige hatte sich zusammen mit vielen anderen Jugendlichen in Salzwedel dafür engagiert, in ihrer Stadt ein Jugendforum einzurichten. Doch im Frühjahr stimmten im Stadtrat CDU und AfD gegen das Projekt: “Das ist dadurch auch geplatzt. Und das wäre super gewesen, das hier zu haben, einfach die Möglichkeit für Jugendliche, sich zu engagieren.” Denn es gebe Jugendliche, die sich engagieren wollten und dazu auch Möglichkeiten bräuchten. (…) Annegret Junger ärgert das: “Einfach, weil sie in dem Moment mit der AfD zusammen gearbeitet haben. Dieses Zusammenarbeiten mit rechtsextremen Parteien – weil die AfD in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft ist –, ist ziemlich problematisch, wenn man eine Demokratie hat, die man schützen sollte.” Ähnliche Fälle im Landkreis Bautzen und in Kahla Ähnliches geschah auch schon andernorts, zum Beispiel im Landkreis Bautzen und im thüringischen Kahla. Den wohl drastischsten Fall erlebte Wurzen: Dort lehnte die Mehrheit aus CDU und AfD im Stadtrat zweimal Fördermittel für die Arbeit des Netzwerks für Demokratische Kultur ab. Selbst dann noch, als Bürgerinnen und Bürger Spenden für den städtischen Eigenanteil gesammelt hatten. Begründung: Das Netzwerk sei politisch nicht neutral. (…) Es gehe nicht darum, von außen auf Stadträte einzuwirken, sagt Timo Reinfrank. Der Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung wünscht sich vielmehr, dass die CDU auf lokaler Ebene mit Kritik direkt auf die Träger von Demokratieprojekten zugeht. Reinfrank beobachtet eine gefährliche Entwicklung – und wirft Teilen der CDU vor, den demokratischen Konsens in Frage zu stellen: “Wir dürfen auch nicht vergessen, dass diese Programme ja in der Entstehung ihre Berechtigung gehabt haben und auch immer noch haben. Es geht ja nicht nur darum, das bürgerschaftliche Engagement vor Ort zu stärken, (…) sondern wir brauchen ja auch Antworten auf richtig harten Rechtsextremismus.”
via mdr: FÖRDERMITTEL VERWEIGERT CDU und AfD in Kommunen kippen Demokratieprojekte