Sie unterstützen ausgerechnet jene Partei, in der der Nationalsozialismus heruntergespielt wird. In der rechten Szene sind die „Juden in der AfD“ um Artur Abramovych gut vernetzt. Am 25. Januar 2024, zwei Tage vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, tritt im Dresdner Stadtrat ein Mann mit Sakko, Brille und Spitzbart ans Rednerpult. Das Thema der aktuellen Stunde: „Jüdisches Leben gehört zu Dresden“. Der Gastredner ist selbst Jude. Doch über jüdische Lebensrealitäten in der sächsischen Landeshauptstadt wird er an diesem Tag kaum ein Wort verlieren. Stattdessen relativiert er den Nationalsozialismus: Die Teilnehmer der aktuell überall im Land stattfindenden Demonstranten gegen Rechts, behauptet er, wollten die „einzige Oppositionspartei“ verbieten lassen und damit „de facto die Demokratie abschaffen“ – genau so, wie es auch die „Nationalsozialisten taten“. Bei dem Mann mit dem Spitzbart, der von der AfD-Fraktion eingeladen wurde, handelt es sich Artur Abramovych, den Vorsitzenden der Gruppe „Juden in der AfD“ (JAfD). Seit Jahren werden jüdische Verbände, Vereine und bekannte jüdische Personen wie der Publizist Michel Friedman oder die Shoa-Überlebende Charlotte Knobloch nicht müde, vor der AfD zu warnen – umso weniger jetzt, da im Herbst in Sachsen, Thüringen und Brandenburg gewählt wird und in allen drei Bundesländern die AfD die Umfragen anführt. Doch während sich die überwiegende Mehrheit der Jüdinnen und Juden vor der AfD sorgt, scheint es eine Minderheit zu geben, die dies anders sieht. Und die sich ausgerechnet in der Partei engagiert, deren Mitglieder immer wieder wegen Volksverhetzung verurteilt werden und deren Parteiobere das Berliner Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ und die NS-Zeit als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte bezeichnet haben. Ist das nicht ein Widerspruch? Jüdische Organisationen distanzierten sich Ins Leben gerufen wurde die Bundesvereinigung der Juden in der AfD von 19 Gründungsmitgliedern am 7. Oktober 2018 in Wiesbaden. Schon damals gab es starken Gegenprotest aus den jüdischen Communities: Unter dem Motto „Keine Alternative für Juden – Gemeinsame Erklärung gegen die AfD“ distanzierten sich mehr als 40 jüdische Organisationen und Institutionen wie zum Beispiel der Zentralrat der Juden in Deutschland, die Union progressiver Juden in Deutschland und Makkabi Deutschland von dem Vorhaben. Ihre Kritikerinnen und Kritiker werfen der JAfD immer wieder vor, lediglich als Feigenblatt zu dienen und dem Antisemitismus der Partei einen „Koscher-Stempel“ zu verleihen. Denn wie es auch Abramovych regelmäßig tut, wird der Antisemitismus der extremen Rechten bei der JAfD relativiert oder sogar negiert. Wohingegen nur muslimischer Antisemitismus oder Antisemitismus in der politischen Linken thematisiert wird. Ein Zustand, der der Mutterpartei sehr gelegen kommt.

via tagesspiegel: In der Partei der Nazi-Verharmloser: Warum ein jüdischer Netzwerker sein Heil in der AfD sucht