Der Hochstapler George Santos wird künftig in zwei Ausschüssen des US-Kongresses sitzen. Ein halbes Dutzend ultrarechte Wahlleugner bevölkert das „Oversight Committee“, das Präsident Joe Biden anklagen will. Mit diesen Personalentscheidungen zahlt der neue Repräsentantenhaus-Sprecher Kevin McCarthy den Preis für seine extrem knappe Wahl. An Expertise sollte es dem Mann, der künftig im Wissenschafts- und im Wirtschaftsausschuss des US-Abgeordnetenhauses sitzen wird, eigentlich nicht fehlen: George Santos hat am renommierten Baruch College studiert, bei Top-Wallstreet-Banken gearbeitet und eine eigene Firma gegründet, die ihm jährlich bis zu 5 Millionen Dollar Dividende bescherte. So jedenfalls stand es im Lebenslauf, mit dem sich der Republikaner im Herbst im Bundesstaat New York für den Kongress bewarb. Nun sitzt der 34-Jährige im Repräsentantenhaus. Doch es ist klar: Seine Biografie ist komplett erlogen. Santos hat keinen Hochschulabschluss, er arbeitete bei einem betrügerischen Schneeball-Finanzvertrieb, und seine eigene Firma machte allenfalls 50.000 Dollar Umsatz. Mit einer dubiosen 700.000-Dollar-Überweisung an die eigene Kampagne könnte Santos zudem gegen das Gesetz verstoßen haben. Das hindert Kevin McCarthy, den neuen Sprecher des Repräsentantenhauses, nicht daran, den dreisten Hochstapler nun als ordentliches Mitglied in die genannten Ausschüsse zu entsenden. Die hauchdünne Mehrheit des Oberrepublikaners Der Vorgang illustriert die Schwäche von McCarthy, der erst im 15. Wahlgang zum republikanischen „Speaker“ gewählt wurde und im Plenum nur über eine hauchdünne Mehrheit von vier Stimmen verfügt. Das macht den opportunistischen Trumpisten nicht nur abhängig von Betrügern wie Santos. Bei der derzeitigen Vergabe der Ausschussmandate muss McCarthy vor allem die extreme Rechte in seiner Fraktion entlohnen, die ihm nach einem demütigenden einwöchigen Abstimmungsmarathon zum Amt verhalf.
via rnd: Postengeschacher im US-Kongress Wie die Republikaner Rechtsextreme und Betrüger belohnen