Sozialwissenschaftler Klaus Dörre spricht im FR-Interview über die Auseinandersetzung mit rechten Gruppierungen in Betrieben. Frankfurt – Betriebsräte hierzulande gelten eher als links. Doch längst nutzen rechte Gruppierungen die Chance, die Vertretungen der Arbeitnehmer:innen zu unterwandern. So auch bei den jüngsten Betriebsratswahlen. Ein Gespräch mit dem Sozialwissenschaftler Klaus Dörre von der Universität Jena, der seit Jahren zu rechten Tendenzen in der Arbeitswelt forscht. Bis Ende Mai fanden in Deutschland Betriebsratswahlen statt. Sie haben das Abschneiden von rechten Listen analysiert, die als Konkurrenz zu den Gewerkschaften agieren. Wo treten die Rechten auf und wie erfolgreich sind sie? Ich habe mir das Abschneiden der Listen Zentrum Automobil und ihrer Ableger angeschaut, die schon in früheren Wahlen vor allem bei Mercedes angetreten waren. Sie kandidierten u.a. in den Werken Untertürkheim, Sindelfingen und Rastatt, aber auch in Leipzig bei Porsche und BMW. Diese Listen traten mit der Behauptung an, beim Wandel hin zur Elektromobilität handele es sich um ein Komplott von Management und Betriebsräten. Es gehe nicht ums Klima, sondern darum, den Verbrenner billiger in Osteuropa zu bauen. Rechts sein heißt für die Zentrums-Leute, für den Verbrenner zu sein. Betriebsräte: „Rechts sein heißt für die Zentrums-Leute, für den Verbrenner zu sei“ Wie schnitten sie bei dieser Wahl ab? Es gab deutliche Niederlagen. Von den etwa 18.000 Betriebsratssitzen hat das Zentrum mit seinen Ablegern nicht einmal 25 bekommen. Bei Porsche und BMW in Leipzig haben die Rechtsradikalen jeweils zwei Drittel ihrer Stimmen verloren. (…) Das heißt also, eine offensive Auseinandersetzung mit der rechten Konkurrenz ist wichtig? Ja. Die Rechten treten als Kümmerer auf. Es gibt aber noch ein anderes Phänomen: das sind Gewerkschafter der IG Metall und anderer Gewerkschaften, die sich dann als politische Mandatsträger der AfD entpuppen. Das hat es zum Beispiel bei Jenoptik in Jena gegeben. Dieser Betriebsrat wurde mittlerweile abgewählt. Außerdem muss man sehen: Die radikale Rechte versucht es nun in den Pflegeberufen, beim Personal in den Kitas und den Kliniken. Das ist brandgefährlich.

via fr: „Die radikale Rechte versucht es nun in den Pflegeberufen“

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