Russische Truppen ziehen aus der Region Kiew ab. In Butscha haben sie erschossene Zivilisten zurückgelassen. Manche sollen vermint sein. Die ukrainische Armee hat nach Regierungsangaben die Region um die Hauptstadt Kiew wieder vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. „Irpin, Butscha, Hostomel und die gesamte Region Kiew wurden vom Feind befreit“, schrieb Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maliar am Samstag auf Facebook. Die russischen Truppen hatten sich bereits in den vergangenen Tagen aus den nordwestlich von Kiew gelegenen Vororten Irpin und Butscha zurückgezogen, nachdem ihr Versuch, die ukrainische Hauptstadt einzukesseln, gescheitert war. Die Vororte waren bei den wochenlangen Kämpfen zwischen der ukrainischen Armee und den russischen Truppen schwer beschädigt worden. Massengräber für 280 Tote in Butscha In Butscha entdeckten ukrainische Truppen nun Dutzende tote Zivilisten. Viele von ihnen seien von russischen Soldaten erschossen worden, twitterte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak am Samstagabend. „Sie waren nicht beim Militär, sie hatten keine Waffen, sie stellten keine Bedrohung dar“, schrieb er. „Wie viele derartige Fälle ereignen sich gerade in den besetzten Gebieten?“ (…) Präsidentensprecher Sergei Nikiforow sagte bei „BBC Sunday Morning“, die Szenen aus den vormals besetzten Gebieten wie Butscha seien „wirklich schwer zu beschreiben“. Es seien Massengräber entdeckt worden. „Wir haben Leichen mit gefesselten Händen und Beinen gefunden“, sagte Nikiforow. Sie hätten Einschusslöcher in den Hinterköpfen. „Es waren Zivilisten und sie wurden eindeutig hingerichtet“, sagte er weiter. Es seien auch halbverbrannte Leichen entdeckt worden. Es habe den Anschein, dass jemand seine Verbrechen kaschieren wollte, aber nicht genug Zeit dafür gehabt habe.

via tagesspiegel: Hunderte Leichen in Vororten Kiews entdeckt – Russische Truppen richten beim Rückzug offenbar Massaker unter Zivilisten an

siehe auch: RÜCKZUG AUS REGION UM KIEW: Entsetzen über Leichenfunde in der Kiewer Vorstadt Butscha. Nach dem Rückzug russischer Truppen aus der Region um Kiew wurden in der Vorstadt Butscha Hunderte Leichname auf den Straßen entdeckt. Kanzler Scholz fordert eine schonungslose Aufklärung der „Verbrechen des russischen Militärs“. Nach dem Rückzug russischer Truppen aus der Region um die ukrainische Hauptstadt Kiew sind in der Stadt Butscha, rund 37 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt, über 300 getötete Einwohner entdeckt worden. Das berichtete der dortige Bürgermeister Anatolij Fedoruk am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Reporter der Nachrichtenagentur Reuters sahen zahlreiche Leichen auf den Straßen liegen. Aus offenen Gräbern bei einer Kirche ragten Hände und Füße mehrerer Leichname. Auf Twitter kursieren entsprechende Videos.Reporter der AFP sahen auf einer einzigen Straße in Butcha mindestens 20 Leichen liegen. Die Toten trugen zivile Kleidung. „Alle diese Menschen wurden erschossen“, sagte Bürgermeister Fedoruk. Die Straßen der Kleinstadt seien mit Leichen übersät. Es stünden Autos auf den Straßen, in denen „ganze Familien getötet wurden: Kinder, Frauen, Großmütter, Männer“. Nach Angaben des Bürgermeisters mussten 280 Menschen in Butscha in Massengräbern beigesetzt werden, da die drei städtischen Friedhöfe noch in Reichweite des russischen Militärs lagen. (…) Die Organisation Human Rights Watch (HRW) dokumentierte unterdessen zahlreiche Kriegsverbrechen in russisch kontrollierten Gebieten. Sie wirft der russischen Armee Kriegsverbrechen wie Hinrichtungen und Plünderungen vor. In einem Bericht, der am Sonntag in Warschau veröffentlicht wurde, werden Fälle in der Umgebung der Städte Kiew, Charkiw und Tschernihiw genannt. Grundlage dafür ist nach Angaben der Menschenrechtler die Befragung von zehn Augenzeugen, Opfern und Bewohnern. „Die von uns dokumentierten Fälle stellen unsägliche bewusste Akte der Grausamkeit und Gewalt an der ukrainischen Zivilbevölkerung dar“, erklärte der Europa-Direktor von HRW, Hugh Williamson. „Vergewaltigung, Mord und andere gewaltsame Akte gegen Menschen in der Gewalt russischer Truppen sollten als Kriegsverbrechen untersucht werden.“