Ein Gericht erhöht das Strafmaß für den inhaftierten Historiker Juri Dmitriew. Er hatte zu Opfern Stalin’scher Repressionen gearbeitet. Ein russisches Gericht in der Stadt Petrosawodsk hat die 13-jährige Lagerhaft unter verschärften Bedingungen für den Historiker Juri Dmitriew am Montag auf 15 Jahre verlängert. Laut Aussage von Dmitriews Anwalt Wiktor Anufriew sei dieses Urteil zu erwarten gewesen. Schließlich gehe es darum, Stärke, Macht und Einfluss der staatlichen Machtstrukturen zu demonstrieren, zitiert das Onlineportal Nastojaschee Vremja den Anwalt. Eine erneute Berufung sei ausgeschlossen. Als Leiter der karelischen Sektion der Menschenrechtsorganisation Memorial hatte sich Dmitriew als einer der Ersten der Aufarbeitung Stalin’scher Verbrechen in Sandarmoch gewidmet. Dort sollen auf dem Höhepunkt der Säuberungen 1937/38 rund 10.000 Menschen hingerichtet worden sein. Unter seiner Ägide wurde die Existenz von 150 Massengräbern dokumentiert, in denen sich die sterblichen Überreste von 4.500 Opfern befinden sollen. (…) 2018 wurde Dmitriew zu zweieinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Bei einer Wohnungsdurchsuchung war angeblich ein Stück von einem Lauf eines Jagdgewehrs gefunden worden. Wenige Monate später erfolgte eine erneute Anklageerhebung wegen sexuellen Missbrauchs. Ein erstes Urteil im Juni 2020 lautete auf dreieinhalb Jahre Straflager unter verschärften Bedingungen. Im darauf folgenden Herbst wurden daraus dann plötzlich 13 Jahre. Über 400 Wis­sen­schaft­le­r*in­nen und Kulturschaffende forderten in einer gemeinsamen Erklärung Dmitriews Freilassung. Die jüngste Verschärfung des Strafmaßes gegen Juri Dmitriew ist ein weiterer Schlag der Staatsmacht gegen Memorial vor dem wohl endgültigen Showdown für die Organisation. Seit 2016 ist Memorial als „ausländischer Agent“ gelistet.

via taz: Menschenrechte in Russland – :Aus 13 werden 15 Jahre

Categories: DiensteGewalt