Der CDU-Vorsitzende behauptet, keine Partei könne aus dem Wahlergebnis einen Regierungsauftrag ableiten. Das stimmt nicht, die SPD hat die Wahl gewonnen. Laschet klammert sich krampfhaft an die Macht – das wird nicht gut gehen, kommentiert Kristina Dunz. Es ist nicht verwerflich, dass CDU-Chef Armin Laschet angesichts des anfänglichen Kopf-an-Kopf-Rennens mit der SPD am Wahlabend die Tür für die Union zum Kanzleramt offen zu halten versuchte. Man erinnere sich an den Kapitalfehler der SPD 2017, als sie sich schon am Wahlabend in die Opposition verabschiedete. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier musste sie später zum Regieren zurückrufen. Am Ende verhinderte die SPD eine Lähmung des Landes durch eine Neuwahl nach dem Jamaika-Aus. Aber der Makel, dass sie zunächst den Kopf in den Sand steckte, haftete ihr lange an. Laschet macht nun das Gegenteil. Das ist genauso unklug. Als klarer Wahlverlierer greift er nach der Macht und behauptet obendrein, dass er keinen Regierungsanspruch erhebe. Doch das tut er. Am Sonntagabend hat er sogar von einem „Auftrag“ gesprochen, den die Wählerinnen und Wähler der Union mit ihrer Stimme gegeben hätten – „gegen eine linksgeführte Bundesregierung“. Und am Tag nach der Wahl im Lichte des – vorläufig amtlich bestätigten – historischen Absturzes der Union spricht er von der „Verpflichtung“, weiter um Regierungsverantwortung zu kämpfen. SPD-Mann Olaf Scholz und er seien zur gleichen Demut aufgerufen. Das ist lächerlich und ignorant. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident bleibt sich nach seinem verheerenden Wahlkampf im schlechten Sinne treu: Er schwankt und schwurbelt. Und jetzt taumelt er. Der 60-Jährige hat es nicht vermocht, die Truppen von CDU und CSU motiviert und leidenschaftlich hinter sich zu versammeln. Er hat seine Kanzlerkandidatur nur durchgeboxt und sie der Union aufgezwungen, ohne danach Aufbruchstimmung zu versprühen.
via rnd: Der Unionskandidat nach der Wahl: Laschets Ignoranz