Drei Jahre nach dem Angriff auf das Restaurant «Schalom» und seinen Geschäftsführer wird in Chemnitz einem Mann aus Niedersachsen der Prozess gemacht. Die Generalstaatsanwaltschaft geht bei ihm von einer rechtsextremen Motivation aus. Solche Attacken hinterlassen Spuren.
Anfeindungen hat Uwe Dziuballa über die Jahre immer wieder erlebt. Von «Sieg Heil!»-Rufen vor seinem jüdischen Restaurant in Chemnitz bis hin zum Schweinekopf mit aufgemaltem Davidstern, den man ihm vor die Tür gelegt hat. Doch am Abend des 27. August 2018 flogen plötzlich Steine – nicht nur auf sein über Sachsen hinaus bekanntes Restaurant «Schalom», sondern auch auf ihn. «Judensau verschwinde» hätten die Angreifer gegrölt – eine Gruppe von mindestens zehn Menschen. Die zornigen Augen seien es, die sich ihm ins Gedächtnis eingebrannt hätten, erzählt der 56-Jährige. So sehr, dass er davon heute noch manchmal nachts aufwache. Drei Jahre ist der Angriff her, am Mittwoch beginnt am Amtsgericht Chemnitz der Prozess gegen einen mutmaßlichen Täter. Die Anklage wirft dem 30-Jährigen aus der Region Stade in Niedersachsen gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch im besonders schweren Fall und Sachbeschädigung vor. DNA-Spuren am Tatort sollen die Ermittler auf seine Fährte gebracht haben, im Dezember 2019 hatten sie daraufhin seine Wohnung durchsucht. Er ist den Angaben zufolge einschlägig vorbestraft, die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Bei einer Verurteilung sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu mehreren Jahren vor. Der Angriff ereignete sich in jenen Tagen, als Aufmärsche und Ausschreitungen in Chemnitz weltweit Schlagzeilen machten.
via freie presse: Angriff auf jüdisches Restaurant “Shalom”: Prozessauftakt