An Heiligabend 1980 erschoss der Neonazi Frank Schubert zwei Schweizer Grenzpolizisten. Aktenfunde belegen, dass der Mörder einer rechten Terrorzelle angehörte. Das Jahr 1980 ist als „braunes Terrorjahr“ in die Geschichte der Bundesrepublik eingegangen: Von Januar bis Mitte Dezember starben bei rechtsterroristischen Anschlägen – darunter dem Oktoberfest-Attentat von München – 18 Menschen, Hunderte wurden zum Teil schwer verletzt. Für die Todesopfer 19 und 20 jenes Terrorjahres sorgte am Heiligabend 1980 der deutsche Neonazi Frank Schubert aus Frankfurt am Main. Bei einem missglückten Waffenschmuggel erschoss er an der Grenze zu Deutschland die Schweizer Polizeibeamten Josef Arnold und Walter Wehrli, bevor er sich nach einem Feuergefecht mit der Polizei selbst richtete.
Der Fall Schubert ist bis heute eines der rätselhaftesten Verbrechen deutscher Neonazis. So sieht es auch die Historikerin Barbara Manthe von der Uni Bielefeld, die ein Forschungsprojekt zur Geschichte des bundesdeutschen Rechtsterrorismus führt. Aus ihrer Sicht gibt es in diesem Fall noch viele ungeklärte Fragen, auch sei die Einzeltäter-These fraglich. Tatsächlich legten die Ermittler damals keinen großen Elan in die Aufklärung der Tathintergründe, weil der Täter sich erschossen hatte. Schubert wurde als fanatischer Einzeltäter abgetan, die Akte schon bald geschlossen. Die Terrorgruppe wurde nie zur Verantwortung gezogen Aus bislang unbekannten Schweizer Ermittlungsakten und Informationen des Verfassungsschutzes, die hier erstmals ausgewertet werden, ergibt sich jedoch ein neues Bild der Vorgänge. Demnach gehörte Schubert im Jahre 1980 einer rechten Terrorzelle in Frankfurt am Main an, die Attentate auf hochrangige Politiker und Strafverfolger plante. Auf seiner Reise in die Schweiz kurz vor Weihnachten wollte er Waffen nach Deutschland holen, mit denen ein Anschlag auf einen hessischen Spitzenpolitiker durchgeführt werden sollte. Auffällig ist im Rückblick, dass die Mitglieder der Terrorgruppe wegen ihrer Anschlagsplanung nie zur Verantwortung gezogen wurden. Was möglicherweise daran gelegen haben könnte, dass der Verfassungsschutz einen Informanten in diese Terrorzelle eingeschleust hatte – wären dessen Informationen in Polizei- und Gerichtsakten aufgetaucht, hätte man ein Auffliegen der hochrangigen Quelle riskiert.
via berliner zeitung: Ende der Legende vom Einzeltäter