Die AfD in Sachsen-Anhalt zog nur wenige Protestwähler an, sagt der Potsdamer Politikwissenschaftler Gideon Botsch. Er sieht das Risiko, dass die AfD im Osten einmal stärksten Kraft werden kann. (…) Aus welchem Umfeld stammen die AfD-Wähler? Handelt es sich um Personen, die schon lange auf rechte Demos gingen bzw. sich in dieser Szene betätigt haben? Nicht unbedingt. Auffallend ist, dass es sich oft um Menschen mittleren Einkommens, Unternehmer:innen im gewerblichen oder handwerklichen Mittelstand, Arbeiter:innen und Angestellte handelt. In diesem Segment ist unter männlichen Wählern die AfD heute oft die stärkste Kraft. In Sachsen Anhalt hat die AfD nun in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen im Vergleich zu den anderen Parteien die meisten Stimmen erhalten. Wenn man alle AfD-Wähler nach ihrem Alter anschaut, ist nach den bis jetzt vorliegenden Zahlen wiederum die Gruppe der 30-44-Jährigen viel stärker geneigt, AfD zu wählen, als der Rest des Elektorats, auch bei den 45-59-Jährigen schneidet sie besser ab. Die größte Überrepräsentanz hat die AfD-Wählerschaft also erneut bei den mittleren Altersgruppen.
Also stimmt es nicht, dass die AfD bei den jüngeren Wähler:innen besonders stark ist? Hier liegt die AfD sogar leicht unter dem Wert, den sie insgesamt erzielen konnte. Innerhalb dieser quantitativ kleinen Wähler:innen-Gruppe ist sie die stärkste Kraft, denn ungefähr 60 Prozent der Jungwähler:innen splitteten ihre Stimmen zwischen verschiedenen demokratischen Alternativen: Grüne und FDP liegen prozentual jeweils doppelt so hoch, wie ihr Gesamtergebnis ausfällt, die Union ist nur halb so stark. Die jungen Wähler:innen waren, anders ausgedrückt, weniger bereit, ihre Präferenzen zu Gunsten der CDU zurückzustellen, um die AfD als stärkste Kraft zu verhindern. Und es ist schließlich das Vorrecht der Jugend, weniger kompromissbereit zu sein, als die Alten. Sie sind wohl nicht überdurchschnittlich anfällig, die AfD zu wählen, allerdings auch nicht weniger anfällig. (…) Sie sehen die AfD nicht mehr als demokratische Partei? In den ostdeutschen Landesverbänden wird die Partei durchweg von antidemokratischen, rechtsextremen Kräften beherrscht, wenn auch nicht überall so eindeutig, wie dies in Sachsen-Anhalt oder Brandenburg der Fall ist. Aber auch bundesweit dominieren Rechtsextreme die Partei und zwingen ihr ihre antidemokratischen Strategien auf, wie man zuletzt auf dem Bundesparteitag oder auch am Berliner Landesverband sehen konnte.

via tagesspiegel: Männlich, mittleren Alters, aus der Mittelschicht – Ein Politikforscher erklärt, wer die AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt sind

siehe auch: CDU gewinnt fast alle Direktmandate – Nur ein Wahlkreis bleibt bei der AfD. Mit einem so eindeutigen Ergebnis hatte die CDU wohl nicht gerechnet. Bei der Wahl in Sachsen-Anhalt liegt sie mehr als zehn Prozentpunkte vor der AfD und verweist die Partei damit auf Platz zwei. Ministerpräsident Reiner Haseloff triumphiert. Umfragen sahen die AfD auf Augenhöhe mit der CDU: Doch die gewinnt in Sachsen-Anhalt (fast) alle Wahlkreise zurück. Nur ein Direktmandat bleibt bei der AfD: eine einsame blaue Hochburg in einem schwarzen Bundesland. 15 Direktmandate holte die AfD in Sachsen-Anhalt vor fünf Jahren bei der Landtagwahl 2016. Und so manch einer spekulierte aufgrund von Umfragen bereits, 2021 könnten es ähnlich viele werden. Am Montagmorgen ist jedoch klar: Die CDU hat den Erfolgskurs der AfD vorerst ausgebremst. In 40 der 41 Wahlkreise holte die CDU das Direktmandat. Das stand am Montag nach Auszählung fast aller Stimmbezirke fest, wie die Wahlleitung in Magdeburg mitteilte. Das mit Abstand beste Erststimmenergebnis bekam demnach Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) im Landkreis Wittenberg mit 53,9 Prozent.