Eigentlich sollte Björn Höcke zum AfD-Wahlkampfstart in Sachsen-Anhalt in Weißenfels auftreten. Doch der rechtsextreme, vom Verfassungsschutz beobachtete Politiker kniff. So erlebte die AfD-Hochburg gleich eine dreifache Blamage. Spätestens seit dem 13. März 2016 ist bekannt, dass die einst stolze Residenzstadt Weißenfels in Sachsen-Anhalts Süden nicht nur ein schönes Schloss hat, sondern auch eine Hochburg der AfD ist. (…) Passanten-Blicke bleiben verblüfft an Dutzenden Mannschaftswagen der Polizei hängen, die alle Zugänge zum geräumigen Platz kontrolliert. Das großflächige Karee ist mit Absperrgittern in drei Zonen unterteilt. In der nördlichsten: ein kleiner, blauer AfD-Transporter samt Wahlplakat. In der Mitte: eine leere Pufferzone, in der Polizisten und Fotografen stehen. Im Süden vor dem Rathaus: die dritte Zone für die Demonstration. Kaum jemand, den man beim Überqueren des Platzes fragt, scheint zu wissen, dass hier gleich der thüringische AfD-Landeschef Björn Höcke reden soll. Ein Blick in den Wahlkampfkalender der AfD von Sachsen-Anhalt reicht aus, um zu erkennen, wie eng hier die Bande mit diesem Mann sind. Gleich vier offizielle Termine werben mit Höcke, den der Verfassungsschutz als Rechtsextremist einstuft und seit Anfang 2020 beobachtet. Höcke ist Gründer des völkisch-nationalistischen „Flügel“ der AfD, der im März 2020 als “gesichert rechtsextremistisch” eingestuft sowie beobachtet und auf Beschluss der AfD-Bundesvorstands wenig später aufgelöst wurde. Und aus dem Wahlkreis Weißenfels stammen einige seiner treuesten „Flügel“-Gefährten. Doch schon bevor die Veranstaltung am Donnerstagabend überhaupt beginnt, wird klar, dass sie anders verlaufen wird als von der AfD geplant. Der erste Grund: Die Zahl Höcke- und AfD-Anhänger fällt äußert bescheiden aus, nach Polizeiangaben sind es gerade mal 160. Der zweite: Noch bevor die AfD überhaupt mit der Moderation beginnt, ärgert der Sprecher der schwarz vermummten Antifa-Demonstranten das AfD-Publikum mit der Nachricht, dass „der Faschist Höcke“ abgesagt habe. Und die Zahl der Demonstranten, die gegen die die AfD-Wahlveranstaltung protestieren, sit mit 250 sogar deutlich größer. Eine Dreifach-Blamage für die AfD. Der AfD-Moderator bestätigt die Absage wenig später und spricht von “persönlichen Gründen” Höckes. Es wird ein anstrengender Wahlkampf-Termin für die Partei – auch, was den Lautstärkepegel betrifft. Zwar gelingt es der Polizei, die beiden Gruppen auf Abstand zu halten. Doch die Demonstranten haben eine mobile Lautsprecherbox und Trommlertrupps mitgebracht. Immer wieder messen Beamte der Versammlungsbehörde mit einem Mikro, ob eine der beiden Gruppen die laut Versammlungsbehörde zulässige Grenze von 85 Dezibel überschreitet. Aber auch ohne Verstöße ist es mitunter mühsam, den Rednern zu folgen.(…) Tillschneider ist bekannt für verbale Ausbrüche – und schrie auch gleich eine drastische Botschaft zum Antifa-Block rüber, die ihrerseits immer wieder mit „Nazi“ und „Faschist“ konterten. „Und wir sind gekommen, diesen schwarzen Sumpf ein für alle Mal trocken zu legen. Es wird der Tag kommen, da wird euer Lotterleben ein Ende nehmen und die Gewalt und das Unrecht, das von dort seinen Ausgang nimmt, die einzig adäquate Antwort erfahren – und zwar die harte Antwort mit den Polizeiknüppeln.“
via focus: In Sachsen-Anhalt – Blamage für die AfD: Björn Höcke soll Wahlkampf starten – doch der kommt nicht
