Ein Neonazi besaß Fotos der Bundestagsabgeordneten Evrim Sommer und ihre Ehemanns. Zuvor drohte ihr ein türkischer Faschist mit Vergewaltigung. Rechtsextreme hatten offenbar mehr Politiker im Blick als bislang bekannt. So sind auch Daten über die Berliner Bundestagsabgeordnete Evrim Sommer (Linke) bei einem Neonazi entdeckt worden. Der Fall reiht sich in eine Serie sogenannter Feindeslisten ein, auf der allein in Berlin 500 Personen vermerkt worden sein sollen. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Fraktionschefin der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, Anne Helm, vom „NSU 2.0“ bedroht worden ist. Sommer, die seit 2017 für den Wahlkreis Spandau im Bundestag sitzt, ist während ihrer politischen Laufbahn aus verschiedenen Szenen heraus bedroht worden. Vor zehn Jahren war Sommer zudem Opfer eines Brandanschlages geworden. Im März 2010 hatten Unbekannte das Auto der Politikerin in Lichtenberg angezündet. (…) Im aktuellen Fall schreibt das Bundeskriminalamt (BKA) an Sommer, die „Besondere Aufbauorganisation Fokus“ der Berliner Polizei habe nicht nur von der Abgeordneten selbst Bilder auf den Datenträgern gefunden, sondern auch von ihrem Ehemann, einem in der NS-Forschung bekannten Historiker. Bei den Daten, die „letztmalig vor mindestens sieben Jahren“ bearbeitet worden seien, handele es sich „nicht um eine strukturierte Auflistung von Personendaten, aus der eine konkrete Gefährdung abgeleitet werden kann, sondern um eine Datensammlung über Institutionen, Organisationen und Personen, die von den Urhebern als ’politische Gegner’ angesehen werden“, schreibt das BKA, bietet aber ein „Sicherheitsgespräch“ an.

via tagesspiegel: Von Neonazis beobachtet, von türkischen Faschisten bedroht Berliner Bundestagsabgeordnete steht auf „Feindesliste“